Schweden: Polizisten erschießen Mann mit Down-Syndrom

Kritik an Polizei in Stockholm : Mann hat Spielzeugpistole bei sich - Beamte erschießen ihn

Polizisten haben in Stockholm einen jungen Mann mit Down-Syndrom erschossen. Die Beamten hielten seine Spielzeugpistole für eine gefährliche Waffe. Polizeichef Johansson spricht von einem „tragischen Fall“.

In der schwedischen Hauptstadt Stockholm untersucht die Staatsanwaltschaft den Fall eines jungen Mannes, der von der Polizei erschossen worden ist. Sie habe Ermittlungen wegen möglichen Fehlverhaltens der Beamten eingeleitet, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Mindestens zwei Polizisten hätten am Vortag auf den 20-Jährigen geschossen, fügte Staatsanwalt Martin Tidén hinzu. Die Polizei sprach ihrerseits von einer „bedrohlichen Situation“ für die Beamten. Der Mann hatte demnach eine Spielzeugwaffe dabei, die die Polizisten für eine tödliche Waffe hielten. Staatsanwalt Tidén soll ermitteln, ob die Reaktion der Polizisten gerechtfertigt war.

„Die Mann hielt einen waffenähnlichen Gegenstand und die Beamten eröffneten das Feuer, nachdem sie die Situation als bedrohlich eingestuft hatten“, sagte Tidén. Die Untersuchung erfolge nun routinemäßig, weil Polizisten ihre Waffen eingesetzt hätten. Bisher liege kein Verdacht gegen die Beamten vor. Der junge Mann wurde am frühen Donnerstagmorgen in Stockholm von den Kugeln getroffen und erlag später seinen Verletzungen. „Es wurde anschließend festgestellt, dass es sich bei dem Gegenstand um eine Art Spielzeug handelte“, sagte der Staatsanwalt. Auch sei klar, dass mehr als ein Polizist seine Waffe benutzt habe.

Der junge Mann habe nicht die Aufforderung der Polizei befolgt, die Waffe fallen zu lassen, berichtete die Polizei weiter. Die Mutter des Mannes, Katarina Söderberg, sagte der Zeitung „Expressen“, ihr Sohn sei ein liebenswerter Mensch gewesen. Wegen des Down-Syndroms und eines Autismus habe er kaum kommunizieren können. Der 20-Jährige wurde als vermisst gemeldet, nachdem er Stunden zuvor sein Zuhause verlassen hatte. „Er konnte kaum sprechen, er konnte nur Mama sagen“, erklärte Söderberg. Das Spielzeug, das er zu seinem fünften Geburtstag bekommen habe, ähnele einer kleinen Maschinenpistole.

Der Stockholmer Polizeichef Ulf Johansson bezeichnete die Schüsse am Freitag als ein furchtbares Ereignis. „Das ist sehr tragisch für alle Beteiligten“, sagte er. Staatsanwalt Tidén konnte nicht sagen, wie lange seine Ermittlungen dauern würden. Der schwedische Rundfunk berichtete, der junge Mann sei der sechste Mensch, der in diesem Jahr von der Polizei erschossen worden sei.

Elisabeth Sandlund vom Schwedischen Verband für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung äußerte sich bestürzt über den Vorfall. „Ich weiß, wie spontan diese Gruppe junger Menschen sein kann“, sagte Sandlund. „Es ist nicht selten, dass Du mitten in der Nacht spontan mit einem Spielzeug wegläufst, gerade wenn Du ein Kind in dem Körper eines Erwachsenen bist.“

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(wer/dpa/AP)