1. Panorama
  2. Ausland

Schüsse bei Parade in Chicago​ - Verdächtiger postete wohl Gewalt-Videos

Schüsse bei Parade in Chicago : Verdächtiger postete wohl Gewalt-Videos

Nach dem Schusswaffenüberfall auf eine Parade zum US-Nationalfeiertag in einem Vorort von Chicago hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Dieser soll zuvor Musikvideos mit Szenen von Waffengewalt im Netz veröffentlicht haben.

Die Social-Media-Konten, von denen anzunehmen ist, dass sie dem Mann zuzuordnen sind, wurden inzwischen gesperrt. In archivierten Versionen sind anscheinend Videos des mutmaßlichen Schützen zu sehen, der laut US-Medien versuchte, sich einen Namen als Rapper zu machen. Sie wurden unter einem Pseudonym veröffentlicht. Ein etwa vor einem Jahr hochgeladenes Video zeigt einen Comic, in dem mehrere Szenen von Erschießungen zu sehen sind. An einer Stelle liegt ein Schütze in einer Blutlache am Boden, umzingelt von Polizisten mit gezückten Gewehren.

Ein weiteres Video zeigt einen Mann mit bunt gefärbtem Haar und mehreren Tätowierungen, unter anderem im Gesicht. Er ist in einem Raum zu sehen, der wohl ein Klassenzimmer darstellen soll. Gegen Ende des Videos posiert er mit einem Schutzhelm und einer Art Einsatzweste vor einer Tafel. Er hält dabei eine US-Flagge hoch.

Der Verdächtige sei am Montagabend (Ortszeit) nach kurzer Verfolgungsjagd gestoppt und dann in Gewahrsam worden, teilte Polizeichef Lou Jogmen mit. Er hatte den Verdächtigen zuvor als bewaffnet sowie gefährlich beschrieben und die Bevölkerung zur Wachsamkeit ermahnt. Die Polizei gab sein Alter zunächst mit 22 an, doch hieß es in einer Mitteilung des FBI und in den Profilen des Verdächtigen in sozialen Medien, dass er 21 Jahre alt sei.

Verdächtiger nach Todesschüssen bei Parade zum 4. Juli in Chicago gefasst

Mindestens sechs Menschen wurden am Montagmorgen in Highland Park laut der Polizei von Kugeln aus einem Hochleistungsgewehr tödlich getroffen, mindestens 30 weitere verletzt. Hunderte Teilnehmer der Parade, Eltern mit Kinderwagen und Kinder auf Fahrrädern flohen in Panik. Der Schütze soll alleine agiert und von einem Versteck auf dem Dach eines Gebäudes aus in die Menge geschossen haben, die die Parade anlässlich des am 4. Juli begangenen Unabhängigkeitstags verfolgte.

Ein Sprecher der Ermittlungsbehörde für Schwerverbrechen im Bezirk Lake County, Christopher Covelli, teilte auf einer Pressekonferenz mit, der Schütze habe ein Hochleistungsgewehr benutzt, das am Tatort gefunden worden sei. Der Täter habe wahllos und vorsätzlich Menschen ins Visier genommen. Die Gerichtsmedizinerin Jennifer Banek ergänzte, dass fünf Erwachsene bei der Parade getötet worden seien. Über das sechste Opfer, das nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb, lägen keine Angaben vor.

Die Parade hatte um 10.00 Uhr Ortszeit begonnen, nach einem Bericht der Zeitung „Chicago Sun-Times“ wurde der Umzug gestoppt, weil Schüsse fielen. Hunderte Besucher - einige blutverschmiert - flohen von der Umzugsstrecke. Viele Menschen waren früh gekommen, um sich die besten Plätze für den Blick auf die Parade zu sichern.

  • Keyboarder Dan Souvigny (v.l.), Gitarristin und
    Blues-Konzert in Rheinberg : Chicago-Club-Atmosphäre in Alpsray
  • Kunden in einem Waffengeschäft betrachten am
    Nach Massaker an Grundschule in Texas : US-Kongress beschließt Reform für Schutz vor Schusswaffengewalt
  • Schüsse in Kopenhagen : 22-jähriger Schütze laut Polizei mit psychischen Problemen

Die Bürgermeisterin von Highland Park, Nancy Rotering, fasste das Entsetzen über die Gewalt so zusammen: „An diesem Morgen um 10.14 (Ortszeit) wurde unsere Gemeinde von einem Gewaltakt terrorisiert, der uns bis ins Mark erschüttert hat. Unsere Herzen sind bei den Familien der Opfer in dieser niederschmetternden Zeit. An einem Tag, an dem wir zusammenkamen, um Gemeinschaft und Freiheit zu feiern, trauern wir stattdessen um den tragischen Verlust von Menschenleben und ringen mit dem Terror, der über uns gebracht wurde.“

Illinois' Gouverneur J.B. Pritzker sagte: „Es gibt keine Worte für die Art Monster, das auf der Lauer liegt und in eine Menge von Familien mit Kindern feuert, die einen Feiertag mit ihrer Gemeinde begehen.“ Präsident Joe Biden erklärte, er und seine Frau Jill seien „von der sinnlosen Schusswaffengewalt schockiert, die wieder einmal einer amerikanischen Gemeinde Trauer gebracht hat an diesem Unabhängigkeitstag“.

Es war ein weiterer Schusswaffenvorfall mit vielen Opfern in den USA. In Buffalo im Staat New York erschoss ein weißer Mann am 14. Mai in einem Supermarkt in einem überwiegend von Schwarzen bewohnten Viertel zehn Menschen. Im texanischen Uvalde erschoss ein 18-Jähriger zehn Tage später 19 Kinder und zwei Erwachsene in einer Grundschule. Bei einer Serie weiterer Zwischenfälle in Vestavia Hills/Alabama, Duncanville/Texas, Chattanooga/Tennessee, Philadalphia, Dayton, Tulsa, Chicago und Laguna Woods/Kalifornien kamen jeweils zwischen einem und drei Menschen ums Leben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tote durch Schüsse bei „4.Juli“-Parade in Chicago

(ahar/felt/Reuters/dpa)