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Ein leerer Stuhl für jedes Opfer: Sarajevo gedenkt seiner Belagerung

Ein leerer Stuhl für jedes Opfer : Sarajevo gedenkt seiner Belagerung

11.541 leere rote Stühle für jeden einzelnen Toten: Die bosnische Hauptstadt Sarajevo hat am Freitag des Beginns ihrer Belagerung durch serbische Truppen vor 20 Jahren gedacht. Nicht nur die leeren Stühle standen im Zentrum von Sarajevo, sondern die Stadtverwaltung hatte auch an vielen Stellen rote Stoffbahnen mit der Zahl 11.541 in weißer Schrift anbringen lassen.

Mit zahlreichen Ausstellungen wurde an die verheerenden Verwüstungen erinnert, die Sarajevo während der Belagerung erleiden musste.

Nach unterschiedlicher Zählweise war diese Belagerung mit dreieinhalb bis knapp vier Jahren die längste in Europa während des 20. Jahrhunderts. Die Serben hatten seit dem 6. April 1992 auf den umliegenden Bergen etwa 120 Granatwerfer und 250 Panzer in Stellung gebracht, die ununterbrochen auf die Stadt im Talkessel feuerten. Die Infrastruktur für Wasser und Strom wurde ebenso zerstört wie etwa 35.000 Gebäude. Schätzungsweise 50 000 Menschen wurden verletzt.

Bemühungen der EU

"Als Europa in Sarajevo starb", überschrieb die größte slowenische Zeitung "Delo" am Freitag in Ljubljana ihren Kommentar. Das Blatt erinnerte daran, dass alle Bemühungen der EU, das Blutvergießen mit am Ende rund 100.000 Toten im ganzen Land zu beenden, fehlgeschlagen waren.

Erst das militärische Eingreifen der USA zwang die Serben, den Belagerungsring um Sarajevo aufzugeben und einem Friedensvertrag zuzustimmen. Dieser wurde im November 1995 auf dem US-Militärstützpunkt Dayton (Ohio) verabredet und am 14. Dezember 1995 in Paris unterzeichnet.

Das Vertragswerk schaffte in Bosnien zwei weitgehend unabhängige Landeshälften, die von den Serben auf der einen und von Muslimen und Kroaten auf der anderen Seite kontrolliert werden. Die wichtigsten Unterzeichner waren die Präsidenten von Bosnien-Herzegowina (Alija Izetbegovic), Serbien (Slobodan Milosevic) und Kroatien (Franjo Tudjman). Als Garanten setzten auch der der damalige US-Präsident Bill Clinton, der russische Ministerpräsident Wiktor Tschernomyrdin, der französische Präsident Jacques Chirac und Bundeskanzler Helmut Kohl ihre Unterschriften unter diese Abmachung.

(dpa)