Nach den Anschlägen auf Moskaus U-Bahn: Russland fahndet nach Drahtziehern

Nach den Anschlägen auf Moskaus U-Bahn: Russland fahndet nach Drahtziehern

Moskau (RPO). Nach dem Doppelanschlag auf die Moskauer U-Bahn fahnden die russischen Behörden nach den Drahtziehern der Tat. Während sich die Ermittlungen am Dienstag auf Rebellen aus dem Nordkaukasus konzentrierten, schloss Russlands Außenminister Sergej Lawrow auch eine Beteiligung des Terrornetzwerks Al Qaida nicht aus.

Einen Tag nach den Anschlägen ist die Zahl der Todesopfer auf 39 gestiegen. Eine der zahlreichen Verletzten sei im Krankenhaus gestorben, sagte ein Krankenhausmitarbeiter am Dienstag dem staatlichen Fernsehsender Rossija-24. Fünf weitere der mehr als 70 ins Krankenhaus eingelieferten Verletzten schwebten in Lebensgefahr.

Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete, der Geheimdienst FSB habe die Identität der beiden Selbstmordattentäterinnen festgestellt, die sich am Montagmorgen im Berufsverkehr in den U-Bahn-Stationen Lubjanka und Park Kultury in die Luft gesprengt hatten. Außerdem seien mit Hilfe von Überwachungskameras zwei mutmaßliche Helferinnen identifiziert worden, die die Täterinnen begleitet haben sollen. Die Frauen und ein möglicher dritten Helfer würden gesucht.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. FSB-Chef Alexander Bortnikow machte Rebellen aus den Konfliktgebieten im Nordkaukasus verantwortlich, in denen die russische Regierung hart gegen Separatisten vorgeht. Nach Einschätzung des auf die Beobachtung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmens IntelCenter deutet vieles darauf hin, dass die Gruppierung Kaukasus-Emirat des tschetschenischen Rebellenchefs Doku Umarow hinter dem Doppelanschlag steckt. Umarow will im Nordkaukasus einen islamischen Staat errichten.

Lawrow brachte eine Verbindung der Täter zu islamistischen Terroristen aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ins Spiel. Dort würden mehrere Anschläge geplant, die dann nicht nur in Afghanistan sondern auch in anderen Ländern ausgeführt würden, sagte Lawrow nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax. "Manchmal reichen diese Planungen bis in den russischen Kaukasus." Die unzugängliche Bergregion zwischen Afghanistan und Pakistan gilt als bedeutenstes Rückzugsgebiet islamistischer Terroristen. Geheimdienste vermuten hier auch Al-Qaida-Führer Osama bin Laden.

Staatstrauertag

  • Präsident Medwedew : "Hintermänner werden vernichtet"

Einen Tag nach den Anschlägen wehten die Fahnen in Russland auf Halbmast. Die Regierung erklärte den Dienstag zum Tag der Staatstrauer. Das Fernsehen nahm Unterhaltungssendungen aus dem Programm, und auch entsprechende Veranstaltungen wurden abgesagt. In mehreren Kirchen sollten Gedenkgottesdienste stattfinden.

Die Außenminister der G-8-Staaten verurteilten die Selbstmordanschläge von Moskau scharf. Zum Auftakt ihres zweitägigen Treffens im kanadischen Gatineau prangerten die Chefdiplomaten der sieben führenden Industriestaaten und Russlands am Montag die "feigen Attentate" an. Zugleich riefen sie dazu auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem kündigte die Ministerrunde eine weitere Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus an.

Obama bietet Hilfe an

US-Präsident Barack Obama bot seinem russischen Kollegen Dmitri Medwedew telefonisch die Zusammenarbeit beim Vorgehen gegen die Drahtzieher an. Obama habe in dem Telefonat die Bereitschaft der USA bekundet, "mit Russland zusammenzuarbeiten, um die Verantwortlichen für diese Taten zur Rechenschaft zu ziehen", erklärte sein Büro in Washington. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, die Terroristen seien der "gemeinsame Feind" aller Länder.

Medwedew hatte am Montagabend Blumen für die Opfer der Anschläge an einem der betroffenen Moskauer U-Bahnhöfe niedergelegt. Er habe keinen Zweifel, dass die Hintermänner "gefunden und vernichtet" würden, erklärte Medwedew an der Station Lubjanka. Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow ordnete für Dienstag einen Trauertag in der Millionenmetropole an. Die russische Hauptstadt ist seit den 90er-Jahren immer wieder von tödlichen Anschlägen erschüttert worden.

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(AFP/apd/das)