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Russland droht mit Bombardierung eindringender Schiffe

Nach Auseinandersetzung mit britischer Marine : Russland droht mit Bombardierung eindringender Schiffe

Am Mittwoch hatte ein britisches Kriegsschiff sich nach Moskauer Angaben in russischen Gewässern befunden, was London bestreitet. Moskau warnt den Westen.

Russland ist bereit, Schiffe zu bombardieren, die in sein Gebiet eindringen. Das sagte der stellvertretende russische Außenminister Sergej Ryabkow am Donnerstag. Am Mittwoch hatte ein russisches Kriegsschiff nach Moskauer Angaben Warnschüsse abgefeuert und ein Kampfflugzeug Bomben vor einem britischen Kriegsschiff abgeworfen, um es aus der Umgebung von Sewastopol zu vertreiben. Großbritannien bestritt dies.

Es war das erste Mal seit dem Ende des Kalten Kriegs, dass Russland nach eigenen Angaben scharfe Munition einsetzte, um ein Nato-Kriegsschiff abzuschrecken. Dies veranschaulicht die zunehmende Gefahr eines militärischen Zusammenstoßes angesichts der Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Sewastopol liegt auf der Halbinsel Krim, die Russland von der Ukraine annektiert hat, was Großbritannien und viele andere Staaten aber nicht anerkennen.

Ryabkow sagte, die Unverletzlichkeit der russischen Grenzen werde „mit allen Mitteln“ geschützt, „diplomatisch, politisch und militärisch, falls erforderlich“. Er warnte: „Diejenigen, die versuchen, unsere Stärke auf die Probe zu stellen, gehen hohe Risiken ein.“ Auf die Frage, was Russland täte, um künftigem Eindringen vorzubeugen, antwortete er, der Staat sei bereit, auf Ziele zu feuern, wenn Warnungen keine Wirkung hätten. „Wir könnten an die Vernunft appellieren und fordern, internationales Recht einzuhalten“, sagte Ryabkow laut der Agentur Interfax. „Wenn es nicht hilft, könnten wir Bomben abwerfen und nicht nur auf die Route sondern direkt auf das Ziel, wenn Kollegen es sonst nicht kapieren.“

Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, sprach von einer „absichtlichen und gut vorbereiteten Provokation“ Großbritanniens und bekräftigte die Warnung. „Wenn inakzeptable provokative Handlungen wiederholt werden, wenn diese Handlungen zu weit gehen, können keine Optionen zum legitimen Schutz der Grenzen der Russischen Föderation ausgeschlossen werden“, sagte er.

Großbritannien bestritt, dass sein Zerstörer „Defender“ beschossen worden sei oder dass auf dessen Route Bomben abgeworfen worden seien. Nach Londoner Angaben befand das Schiff sich in ukrainischen Gewässern. Premierminister Boris Johnson sagte, Großbritannien erkenne die Annexion der Krim durch Russland nicht an. Die „Defender“ habe die kürzeste Route zwischen zwei Punkten genommen. „Es war völlig richtig, dass wir das Gesetz verteidigt und die Freiheit der Schifffahrt in der Art und Weise betrieben haben, in der wir dies taten“, sagte Johnson.

Von Russland veröffentlichte Filmaufnahmen zeigten zwar, dass Flugzeuge nahe an der „Defender“ vorbeiflogen, Bombenabwürfe oder Warnschüsse waren jedoch nicht zu sehen. In einem BBC-Bericht von Bord des Schiffes war eine Warnung zu hören, die „Defender“ solle den Kurs ändern, ansonsten werde sie beschossen.

(june/dpa)