Russische Journalisten bei Investigativrecherche in Afrika getötet

Während Recherchen zu Söldnern : Russische Journalisten in Afrika getötet

Russische Journalisten recherchieren mit Unterstützung des Kremlkritikers Chodorkowski in Zentralafrika. Ihr Thema: Der Einsatz russischer Söldner in dem krisengebeutelten Staat. Doch dann werden die Männer tot aufgefunden.

Drei russische Journalisten sind in der Zentralafrikanischen Republik in einen Hinterhalt geraten und getötet worden. Sie hätten vor Ort an einem Investigativprojekt zu russischen Interessen in dem Land gearbeitet, teilte ihr Chefredakteur, Andrej Konjachin, am Mittwoch in Moskau mit. Der im Exil lebende russische Oppositionelle Michail Chordorkowski schrieb auf Facebook, die Reporter hätten mit seinem Investigativprojekt „Russische Söldner“ zusammengearbeitet.

Konjachin ist Chefredakteur von Chodorkowskis Managementzentrum für Investigationen. Nach seinen Angaben wollten die Journalisten Kirill Radtschenko, Alexander Rastorgujew und Orchan Dschemal zum Einsatz einer russischen Sicherheitsfirma in Zentralafrika recherchieren und russische Interessen im Diamanten-, Gold- und Uranbergbau in dem Land beleuchten. Die Reporter seien mit einem Touristenvisum eingereist, um zwei Wochen vor Ort verdeckt arbeiten zu können.

Russische und ausländische Medien berichteten, bei der fraglichen Sicherheitsfirma handele es sich um Wagner, eine militärische Dienstleistungsfirma, die mit Jewgeni Prigoschin verbunden sei. Der Unternehmer aus St. Petersburg ist wegen seiner besonderen Kontakte zum Kreml auch unter dem Spitznamen (Wladimir) „Putins Koch“ bekannt.

Ein zentralafrikanischer Beamter sagte, die drei Journalisten seien bei einem Überfall nahe der Stadt Sibut getötet worden. Sie hätten die Stadt am Montag nach Anbruch der Dunkelheit verlassen und seien 23 Kilometer entfernt überfallen worden. Ihr Fahrer habe fliehen und die Behörden am frühen Dienstagmorgen informieren können.

Konjachin sagte, man gehe derzeit davon aus, dass die Journalisten Opfer eines Raubüberfalls geworden seien. Er ließ aber auch Skepsis durchblicken: Die Täter hätten sich keine Mühe gemacht, Spuren zu verwischen. Unklar sei auch, warum sie den Fahrer am Leben ließen. „Das wurde in einer demonstrativen Art und Weise gemacht“, sagte er. „Wenn sie alles von ihnen haben konnten, warum sie dann umbringen?“

Das russische Außenministerium in Moskau bestätigte die Identität der drei Todesopfer. Die Männer seien jedoch nicht mit einem Journalistenvisum eingereist, sondern als Touristen, sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa der Agentur Tass zufolge. Sie hätten lediglich abgelaufene Bescheinigungen russischer Redaktionen mit sich geführt. Der Informationsminister der Zentralafrikanischen Republik, Ange Maxime Kazagui, bestätigte, die Männer hätten sich nicht als Journalisten akkreditiert.

Die drei Männer sind nach Angaben des Rechercheprojekts am Freitag eingereist. Die Redaktion hatte demnach am Sonntag zuletzt mit ihnen Kontakt. Am Dienstag seien die Männer zwischen den Orten Sibut und Dékoa etwa 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bangui tot aufgefunden worden, sagte Kazagui. Sie seien entgegen dem Rat von Sicherheitskräften an einem Checkpoint in Sibut weitergereist. Eine Gruppe Bewaffneter habe sie getötet. Auch der Fahrer der Männer wurde demnach verletzt, konnte aber fliehen.

Die UN-Friedensmission schickte nach eigenen Angaben ein Team zum Ort des Geschehens. Dort fanden sie die Leichen der Männer und ein Auto vor, das mehrere Einschusslöcher hatte, wie ein UN-Sprecher sagte. Polizisten der Friedensmission unterstützten nun die zentralafrikanischen Ermittler.

Der Krisenstaat gilt einem UN-Index zufolge als das ärmste Land der Welt. 2013 war dort ein Bürgerkrieg ausgebrochen, in dem sich Milizen der christlichen Mehrheit und der muslimischen Minderheit gegenüberstanden. In Folge einer französischen Militärintervention und später einer UN-Friedensmission stabilisierte sich die Lage etwas. Auch die EU leitet einen militärischen Ausbildungseinsatz in dem Land, der jüngst um zwei Jahre verlängert wurde. Daran beteiligen sich unter anderem Frankreich, Polen und Spanien, aber bislang nicht die Bundeswehr.

(wer/dpa/AP)