Attentäterinnen hinter Moskau-Anschlägen: Rissen Schwarze Witwen 37 Menschen in den Tod?

Attentäterinnen hinter Moskau-Anschlägen: Rissen Schwarze Witwen 37 Menschen in den Tod?

Moskau/Berlin (RPO). Nach ersten Erkenntnissen haben zwei Frauen mindestens 37 Menschen in Moskau durch Selbstmordanschläge getötet. Der russische Geheimdienst FSB vermutet, dass die Täterinnen aus dem Umfeld nordkaukasischer Rebellen stammen. Es könnte sich um sogenannte Schwarze Witwen handeln: Frauen, die aus Rache für ihren verlorenen Männer töten.

Sie sind in der Regel schwarz gekleidet, haben ihren Mann oder Sohn verloren und handeln im Auftrag von Extremisten. Die so genannten Schwarzen Witwen haben seit dem russischen Einmarsch in der Kaukasusrepublik Tschetschenien 1999 mehrere schwere Anschläge verübt. Laut russischem Geheimdienst waren es auch Frauen, die sich am Montagmorgen in der Moskauer U-Bahn in die Luft sprengten und fast 40 Menschen töteten.

Im Juni 2000 verübten erstmals Frauen einen Anschlag in Tschetschenien: zwei Attentäterinnen griffen den russischen Militärstützpunkt Alchan Jurt in der Kaukasusrepublik an. Dabei starben mindestens zwei Menschen. Es folgten mehrere Anschläge im Jahr 2003, an denen Frauen beteiligt waren. Zu einem bekannte sich der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew, der damals laut tschetschenischem Innenministerium auf eine Gruppe von mehr als 30 Kamikaze-Frauen zugreifen konnte. Das spektakulärste Attentat ereignete sich im Juli 2003, als bei einem Rock-Konzert in Moskau 15 Menschen starben.

Auch im August 2004 waren es Frauen, die sich an Bord zweier russischer Passagier-Flugzeuge in die Luft sprengten und 90 Menschen töteten. Die Polizei fand danach zwei Frauenleichen, nach denen sich keine Angehörigen erkundigten. Nur wenige Tage später sprengte sich eine Frau vor der Moskauer U-Bahn-Station Rischskaja in die Luft und tötete zehn Menschen.

Auch an der blutigsten Gewalttat des vergangenen Jahrzehnts im Kaukasus waren Frauen beteiligt. Im September 2004 nahmen mehr als 30 Extremisten im nordossetischen Beslan rund 1100 Schüler, Eltern und Lehrer als Geiseln. In einem Geiselvideo sind mindestens zwei Frauen in Schwarz zu sehen, mit Schusswaffen und Sprengstoffgürtel. 331 Menschen kamen damals ums Leben, unter ihnen 186 Kinder.

Nach mehreren Jahren relativer Ruhe sprengte sich im November 2008 eine Frau vor einem Kleinbus im nordossetischen Wladikawkas in die Luft und riss elf Menschen mit in den Tod. Laut dem Buch "Die Bräute Allahs" einer russischen Journalistin ist nur jede zehnte der Attentäterinnen tatsächlich extremistisch. Die anderen neun wurden von Rebellenchefs so beeinflusst, dass sie zu Attentäterinnen wurden.

FSB vermutet militante Nordkaukasus-Gruppen

Auch hinter dem jüngsten Doppelanschlag in der Moskauer U-Bahn könnten nach russischen Geheimdienstangaben militante Gruppen aus dem Nordkaukasus stehen. Das teilte der Inlandsgeheimdienst FSB mit. Bei den Explosionen an zwei Stationen der Moskauer Metro kamen nach jüngsten Behördenangaben mindestens 37 Menschen ums Leben. An einer der beiden Stationen liegt die Zentrale des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Ein FSB-Sprecher sagte, bei den Attentätern handele es sich nach ersten Erkenntnissen um Frauen.

Die Selbstmordattentäterinnen zündeten die Sprengsätze im morgendlichen Berufsverkehr im Abstand von rund 40 Minuten an zwei verschiedenen Metro-Stationen in voll besetzten Zügen, wie die Behörden mitteilten. Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen. Es war der schlimmste Anschlag in der russischen Hauptstadt seit 2004.

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Medwedew sagt Extremisten den Kampf an

Russlands Präsident Dmitri Medwedew reagierte mit entschlossenen Worten auf die Bluttat: Russland werde den Terrorismus "ohne Zögern und bis zum Ende" fortführen, sagte Medwedew laut russischen Nachrichtenagenturen bei einer Krisensitzung in Moskau. Die Menschenrechte müssten aber bei Polizeieinsätzen gewahrt bleiben, betonte der Präsident.

Medwedew ordnete zudem eine Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen in den öffentlichen Transportmitteln an. Auch an allen russischen Flughäfen wurden die Kontrollen verschärft.

Noch schärfere Worte wählte Regierungschef Wladimir Putin. Die "Terroristen" würden "gefangen und vernichtet", sagte Putin am Montag laut russischen Nachrichtenagenturen.

Merkel zeigt sich erschüttert

Das Auswärtige Amt hat derzeit keine Hinweise auf deutsche Opfer bei den Anschlägen in der Moskauer U-Bahn. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte am Montag in Berlin: "Ich gehe zur Stunde davon aus, dass keine Deutschen unter den Opfern sind". Er verurteile die feigen Anschläge in Moskau auf das Schärfste.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte erschüttert auf die Anschläge. Sie habe dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew ihr Bedauern ausgesprochen, sagte Merkel am Montag unmittelbar vor ihrer Ankunft in der türkischen Hauptstadt Ankara. Sie hoffe auf eine schnelle Aufklärung der Taten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dutzende Menschen sterben bei U-Bahn-Anschlägen

(AFP/sdr)