Reiche Eltern bewahren 16-jährigen Raser Ethan Couch vor Knast

Ethan Couch fuhr vier Menschen tot : Reiche Eltern bewahren 16-jährigen Raser vor Gefängnis

Ethan Couch ist erst 16 Jahre alt - und hat vier Menschenleben auf dem Gewissen. Mit einem Pick-Up raste er in eine Menschengruppe am Straßenrand. Ins Gefängnis muss er trotzdem nicht. Seine Eltern hätten dem Jungen nie beigebracht, was richtig und falsch sei, urteilte die Richterin - daher bekam er nur zehn Jahre auf Bewährung.

Für eine Gefängnisstrafe wurde er einfach zu sehr verwöhnt: Der 16 Jahre alte Ethan Couch aus dem US-Bundesstaat Texas muss nicht hinter Gitter, obwohl er betrunken und viel zu schnell mit dem Auto unterwegs war - und so vier Menschen in den Tod riss. Das Urteil der Richterin Jean Boyd löste eine Welle der Empörung aus: Ethan bekam nur zehn Jahre - auf Bewährung.

Ein Foto aus dem Juni dieses Jahres zeigt den Schauplatz des tödlichen Unfalls. Foto: ap, Ben Noey Jr.

Der tödliche Unfall ereignete sich am 15. Juni dieses Jahres. Ethan Couch fuhr gemeinsam mit Freunden in einem Pick-Up der Firma seines Vaters durch Burleson in Texas, alle tranken Bier. Für eine junge Frau, deren Auto liegen blieb, und drei Menschen, die ihr helfen wollten, brachte der Jugendliche den Tod.

Menschen am Straßenrand hatten keine Chance

Die 24 Jahre alte Breanna Mitchell stand mit ihrem kaputten Wagen am Straßenrand; Hollie Boyles (52), ihre Tochter Shelby (21) und Pfarrer Brian Jennings (41) versuchten, das Fahrzeug wieder flott zu machen, als Ethan in die Gruppe hineinraste - die vier hatten keine Chance. Die sieben Freunde Ethans in dem Pick-Up wurden bei dem Unfall ebenfalls verletzt; einer der Jungen erlitt so schwere Gehirnverletzungen, dass er nun gelähmt ist und nur noch über Blinzeln mit der Außenwelt kommunizieren kann.

Ethan Couch war laut den Ermittlungen mit mehr als 110 Stundenkilometern unterwegs - fast doppelt so schnell wie erlaubt. Außerdem wurde bei ihm ein Blutalkoholwert von 0,24 Promille festgestellt. Für Minderjährige gilt in Texas die Null-Promille-Grenze. Den Alkohol hatten die Jugendlichen zuvor in einem Supermarkt geklaut. Zu allem Überfluss soll Ethan auch noch Valium genommen haben, berichtet der "Guardian".

Die Staatsanwaltschaft hatte die Höchststrafe von 20 Jahren Haft für den Teenager gefordert. Durch das psychologische Gutachten kam er jedoch mit zehn Jahren auf Bewährung davon. Zudem muss er sich für zwei Jahre in einer Klinik behandeln lassen.

Die Begründung für das milde Urteil: Der Junge bekam von seinen reichen Eltern stets alles, was er wollte - außer der Vermittlung von Moralvorstellungen. Ein von der Verteidigung beauftragter Psychologe erstellte ein Gutachten und kam darin zu dem Schluss, dass der 16-Jährige nicht in der Lage sei, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. In seinem Weltbild löse Geld alle Probleme.

Schon mit 15 im Visier der Polizei

Ethan leidet demnach an einer Störung namens Affluenza, auch "Überflusskrankheit" genannt. Sein Reichtum und sein privilegiertes Leben machten es Ethan unmöglich, die Konsequenzen seines Handelns zu verstehen, so der Gutachter G. Dick Miller. Seine Eltern hätten ihm Freiheiten eingeräumt, "die kein junger Mensch haben sollte".

Miller nannte ein Beispiel aus Ethans Vergangenheit, als der damals 15-Jährige keinerlei Maßregelung erfuhr, nachdem die Polizei ihn in einem geparkten Wagen mit einem bewusstlosen und nackten 14-jährigen Mädchen aufgriff. Schon mit 13 hätten seine Eltern ihm das Autofahren erlaubt. Ethan sei emotional völlig leer und brauche eine jahrelange Therapie. Wie "ABC News" berichtet, wird der Junge nun in eine teure Rehabilitationseinrichtung in Kalifornien geschickt. Die Therapie soll fast eine halbe Million Dollar pro Jahr kosten - seine Eltern zahlen die Rechnung. Zwei Jahre darf Ethan seine Eltern nicht sehen.

Nicht nur die Angehörigen der Opfer reagierten empört auf das milde Urteil. Eric Boyles, der durch den Unfall seine Ehefrau und seine Tochter verlor entrüstet sich: "Geld schützt offenbar immer vor Ärger." Richterin Boyd sieht sich mit harter Kritik und Rücktrittsforderungen konfrontiert. Auf der Plattform change.org wurde eine Petition gestartet, die vom zuständigen Gouverneur Rick Perry eine sofortige Suspendierung der Richterin verlangt. Bereits 10.000 Menschen haben die Forderung unterzeichnet.

"Ein verzogenes Gör"

Auch Experten kritisierten, dass die Verwöhntheit des Jugendlichen nicht genutzt werden dürfe, um sein unverantwortliches Verhalten vor Gericht zu rechtfertigen. Der Psychologe Gary Buffone etwa nannte die Verteidigung gegenüber der Nachrichtenagentur AP "lächerlich". "Der einfache Ausdruck (für Ethan, Anm. d. Red.) wäre verzogenes Gör". Durch das milde Urteil habe der Teenager für seine schreckliche Tat gerade mal einen Klaps auf die Hand erhalten - nicht genug, dass die Eltern ihn keinerlei Konsequenzen spüren ließen, nun werde das Ganze auch noch durch die Justiz bekräftigt.

Ethan Couch wird für den Tod vierer Menschen und die schwere Verletzung eines Freundes nicht einen Tag hinter Gittern verbringen müssen. Stattdessen wird er in einer teuren Privatklinik behandelt. Der Reichtum seiner Eltern hat ihm mal wieder den Weg geebnet. Und das durch die psychologische Diagnose Affluenza, die nicht einmal eine anerkannte Krankheit ist.

(jre)
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