Razzia bei Magazin nach Fotomontage mit Recep Tayyip Erdogan-Selfie

Festnahmen: Razzia bei Magazin nach Fotomontage mit Erdogan-Selfie

Mit einer Razzia der Anti-Terror-Polizei sind die türkischen Behörden erneut gegen eine Erdogan-kritische Publikation vorgegangen. Das Magazin "Nokta" zeigt auf dem Titelbild der neuesten Ausgabe eine Fotomontage mit Präsident Recep Tayyip Erdogan, der lächelnd ein Selfie vor dem Sarg eines getöten türkischen Soldaten macht.

"Uns wird neben Volksverhetzung vorgeworfen, den Präsidenten beleidigt und Terrorpropaganda begangen zu haben", sagte der Chefredakteur des Magazins "Nokta" (Punkt), Cevheri Güven, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. "Nokta" hatte vor Erscheinen der neuen Auflage deren Titelbild in sozialen Medien verbreitet.

Polislerin konuşmalarına bakılırsa dergi toplatılacak ve dağıtımı engellenecek..! pic.twitter.com/rxatTnJbd7

— NOKTA DERGİSİ (@noktadergi) 13. September 2015Güven sagte, mehrere Stunden nach der Razzia sei am Montag ein leitendes Redaktionsmitglied festgenommen worden. Die Auslieferung weiter Teile der neuen Ausgabe sei durch die Razzia in der Nacht zuvor in Istanbul verhindert worden. Bereits ausgelieferte Exemplare seien konfisziert worden. "Heute haben sie die Polizei geschickt, um uns Angst einzuflößen. Aber wir werden weder Selbstzensur betreiben, noch unsere Richtung ändern." Die Druckerei, die ebenfalls durchsucht worden sei, habe die Zusammenarbeit mit "Nokta" beendet. "Hier wird mit allen Mitteln versucht, das Magazin dicht zu machen."

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Kritiker werfen Erdogan vor, aus der eskalierenden Gewalt in der Türkei politisches Kapital schlagen zu wollen. "Nokta" erscheint nach Güvens Angaben mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren wöchentlich.

Die Internetseite der Erdogan-kritischen Zeitung "Cumhuriyet" war am Montag aus der Türkei heraus nicht aufrufbar. "Cumhuriyet" warf dem Internetprovider Türk Telekom vor, "Zensur" zu betreiben. Ziel sei, "Nachrichten, die dem Palast nicht gefallen, zu blockieren".

(dpa)