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Queen Elizabeth II, Pele oder Brigitte Bardot - Radiosender RFI veröffentlicht versehentlich Nachrufe

Medienpanne : Mysteriöses Massensterben bei Promis?

Peinliche Panne beim französischen Radiosender RFI: Aus Versehen wurden dort zahlreiche vorgefertigte Nachrufe veröffentlicht - ein gefundenes Fressen für die Internetwelt.

Was erzählen sich die Leute nach meinem Tod über mich? Jeder Mensch hat sich diese bange Frage nach der finalen Abrechnung seines Lebens schon einmal gestellt. Überwiegt in der kollektiven Erinnerung das Gute oder gibt es mehr Schatten? Knapp einhundert Prominente haben nun das Glück – oder ist es eher Pech? - zu wissen, was die Nachwelt über den Verlauf ihres Erdendaseins denkt.

Der französische Radiosender RFI hat versehentlich knapp einhundert vorgefertigten Nachrufe von noch lebenden Persönlichkeiten veröffentlicht. Zu den auf der Website des Senders gewürdigten Berühmtheiten zählten unter anderem die britische Königin Elizabeth II., der brasilianische Fußball-König Pele und die französische Schauspielerin Brigitte Bardot.

Die Texte standen zwar nur kurz auf der Homepage des Radiosenders, aber einmal online gegangen, war das mediale Unglück nicht mehr aufzuhalten. Denn die Nachrufe wurden automatisch auch auf dem Nachrichtendienst Twitter veröffentlicht, dort griff sofort die Suchmaschine Google zu, was auch mehrere Plattformen wie Yahoo und MSN auf die Texte aufmerksam machte.

Die Verantwortlichen bei RFI sind natürlich untröstlich und werfen sich vor ihren Hörern und vor allem den beschriebenen Prominenten in den Staub. Die Veröffentlichung der Nachrufe hatte im Netz zu zahlreichen Reaktionen geführt - von Verwirrung über Unverständnis bis hin zu Spott. „Wir arbeiten hart daran, diesen großen Bug zu beheben und entschuldigen uns bei den Betroffenen und bei Ihnen, die uns folgen und uns vertrauen”, teilte der Sender auf Twitter mit.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="fr" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/RFI?ref_src=twsrc%5Etfw">@RFI</a> a donc décidé de finir 2020 d&#39;un seul coup. <a href="https://twitter.com/hashtag/n%C3%A9cro?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#nécro</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/boulettes?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#boulettes</a> <a href="https://t.co/1KwysWuGEv">pic.twitter.com/1KwysWuGEv</a></p>&mdash; Bertrand Hadet (@bertrandhadet) <a href="https://twitter.com/bertrandhadet/status/1328306907992428549?ref_src=twsrc%5Etfw">November 16, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Und dann gab RFI einen kleinen Einblick in das Tagesgeschäft. Die Nachrufe seien vorgeschrieben worden, um schnell auf einen tatsächlichen Todesfall reagieren zu können, hieß es in einer Erklärung. Das sei eine gängige Praxis im Journalismus, da ein fundiert recherchierter und gut geschriebener Nachruf mehrere Tage Arbeit benötige. In unserer schnelllebigen Medienwelt erwarte die Öffentlichkeit aber gerade beim Ableben einer prominenten Person rasche Informationen.

Wenig erstaunt über seinen Nachruf dürfte der französische Geschäftsmann und Ex-Minister Bernard Tapie gewesen sein. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Tageszeitung „Le Monde” aus Versehen einen Text über dessen Ableben veröffentlicht. Tapie reagierte mit Humor und zitierte Mark Twain, der ebenfalls bereits zu Lebzeiten das zweifelhafte Vergnügen hatte, in einer Zeitung den auf ihn verfassten Nekrolog lesen zu dürfen. Der Schriftsteller bemerkte damals trocken: „Die Nachricht von meinem Tod ist stark übertrieben.”