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Polizeigewalt in den USA: Das Opfer ist schwarz, der Täter ist weiß

Polizeigewalt in den USA : Tausende erschossen, 54 vor Gericht gestellt

In den letzten zehn Jahren sind in den USA tausende Menschen durch Schüsse aus den Waffen von Polizeibeamten ums Leben gekommen. Doch nur 54 Polizisten wurden bislang vor Gericht gestellt. In 43 dieser Fälle war der Täter weiß, in 33 war das Opfer schwarz. Zahlen, die sprachlos machen.

Das Video schockierte Menschen in aller Welt: Ein dunkelhäutiger Mann läuft über eine Wiese, gefolgt von einem Polizeibeamten. Obwohl der Mann offenbar unbewaffnet ist und wegläuft, schießt der Polizist ihm mehrfach in den Rücken. Walter Scott, so der Name des Mannes, stirbt an seinen Verletzungen.

Fälle wie der von Walter Scott oder der gewaltsame Tod von Freddi Gray im Sommer 2014 in Ferguson wühlen emotional auf. Die amerikanische Tageszeitung "Washington Post" hat sich, unterstützt von der Bowling Green State University, in einer groß angelegten Recherche auf die Fakten hinter den menschlichen Dramen konzentriert. Sie präsentiert erschreckende Zahlen.

Unbewaffnetes, dunkehäutiges Opfer wird von hinten erschossen

So wurden zwischen 2009 und 2013 laut FBI 2102 Menschen durch Polizisten getötet. Vor Gericht gestellt wurden aber den Recherchen der Washington Post zufolge nur 54 der Beamten - und das seit 2005. Dieses Missverhältnis lässt die Gerechtigkeit der Justiz in den USA fraglich erscheinen. In der Mehrheit der Fälle, die vor Gericht verhandelt wurden, kam außerdem heraus, dass das Opfer unbewaffnet war, als der Polizist schoss.

Die Recherchen bestätigen eine weitere Auffälligkeit, die den Fällen von Polizeigewalt in den USA gemein zu sein scheint: In den meisten Fällen war der schießende Polizeibeamte weiß, sein Opfer schwarz. In 43 der 54 vor Gericht verhandelten Fälle hatte der angeklagte Polizist weiße Haut, nur in neuen Fällen war er schwarz. Es scheint ein fatales Muster zu geben: Weißer Polizist tötet schwarzen Bürger. Darren Wilson tötet Michael Brown, Michael Slager tötet Walter Scott, Polizisten misshandeln Freddie Gray, der später stirbt.

In den nur 54 Fällen, die vor Gericht verhandelt wurden, wurden laut Washington Post 21 Täter freigesprochen. 11 Täter wurden verurteilt, 19 Fälle sind noch nicht abgeschlossen. Auf ihrer Homepage hat die "Washington Post" alle 54 Fälle nach ausschlaggebenden Faktoren sortiert.

Die Analyse macht sprachlos: Da ist zum Beispiel der Fall von Robert Lawlor, der 2005 den 18-Jährigen Jashon Bryant erschoss. Vor Gericht kam heraus, dass sein Opfer unbewaffnet war und Lawlor ihm in den Rücken schoss. Kollegen von Lawlor sagten zu seinen Lasten aus. Trotzdem: Er wurde freigesprochen.

Für ihre Analyse werteten die Journalisten der Washington Post Interviews und Dokumente von Gerichten und Rechtsexperten aus.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Weißer US-Polizist schießt flüchtendem Schwarzen in den Rücken

(lsa)