Ausschreibung wohl noch vor Jahresende: Polen plant Atomkraftwerk an der Ostsee

Ausschreibung wohl noch vor Jahresende: Polen plant Atomkraftwerk an der Ostsee

Polen will sein erstes Atomkraftwerk an der Ostsee bauen. Wie der polnische Energiekonzern PGE am Freitag mitteilte, sind drei Küstenorte in der engere Auswahl. Dabei handelt es sich um Zarnowiec, Choczewo und Gaski, wie Konzernchef Tomasz Zadroga sagte.

Wer den Zuschlag erhalte, werde voraussichtlich in zwei Jahren entschieden, dann solle auch der Konstrukteur der Anlage feststehen. Der Auftrag soll demnach noch vor Jahresende ausgeschrieben werden.

Polen hat bislang keine eigenen Atomkraftwerke und deckt seinen Strombedarf zu 94 Prozent mit Kohlekraftwerken. Geplant sind zwei Atomkraftwerke mit einer Leistung von jeweils 3000 Megawatt. Der erste Reaktor soll 2020 anlaufen.

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Die Kosten für das Großprojekt werden auf rund hundert Milliarden Zloty (rund 22,2 Milliarden Euro) geschätzt. Drei internationale Konsortien haben Interesse bekundet: die französischen Unternehmen EDF und Areva, die US-japanische Gruppe Westinghouse Electric Company LLC und das US-japanische Konsortium GE Hitachi Nuclear Energy Americas.

Für Polen hat die Atomenergie strategische Bedeutung. Die Regierung in Warschau möchte einer Studie zufolge bis 2030 eine Import-Unabhängigkeit im Energiesektor erreichen. Derzeit importiert Polen vor allem Erdgas aus Russland. Gleichzeitig steht Polen in der Pflicht, die EU-Quoten für Treibhausgasemissionen einzuhalten, was mit Kohlekraftwerken äußerst schwierig ist.

(AFP)
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