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Übergrößen in der Mode: "Plus-Size 38" - Wirbel um das Normalmaß

Übergrößen in der Mode : "Plus-Size 38" - Wirbel um das Normalmaß

Eine Kampagne mit dem Model Robyn Lawley erregt die Gemüter – weil es mit Kleidergröße 38 für "Plus-Size", also Übergrößen, wirbt. Auch die Modefirma "Mango" sorgt mit einer Kollektion ab Größe 40 für Diskussionen.

Eine Kampagne mit dem Model Robyn Lawley erregt die Gemüter — weil es mit Kleidergröße 38 für "Plus-Size", also Übergrößen, wirbt. Auch die Modefirma "Mango" sorgt mit einer Kollektion ab Größe 40 für Diskussionen.

Ab welcher Konfektionsgröße gilt eine Frau hierzulande nicht mehr als schlank? In der Regel kommt es dabei auf den Betrachter an. Allerdings heizen Model-Bilder und eine neue Modelinie des spanischen Labels "Mango" derzeit die Diskussion um Übergrößen und Schlankheitswahn wieder an. So sorgte ein Foto des eher normalgewichtigen Models Robyn Lawley im australischen Magazin "Cosmopolitan" für Diskussionen im Internet, weil sie für "Plus-Size", also Übergrößen, warb — mit einer Konfektionsgröße von 38. Auch die neue Modelinie "Violeta by Mango" entfachte Widerstand — weil die Kleidergrößen von 40 bis 52 reichen und ansonsten nur in 36 und 38 gefertigt wird. Offenbar, so die Kritik, handele es sich um eine Übergrößen-Kollektion, und die bediene ein falsches Frauenbild.

Die Reaktionen sowohl auf das angebliche "Plus-Size"-Model als auch auf die Modelinie sind teils heftig. So wurde auf der Internet-Seite change.org eine Petition gegen die "Mango"-Kollektion gestartet. "Größe 40 ist nichts besonderes! Stoppen Sie die Werbekampagne für Ihre neue ,Übergrößen'-Modelinie!" heißt es dort. Bislang haben mehr als 60 000 Menschen die Petition unterzeichnet. Das Unternehmen Mango erklärte laut fashion-insider.de dazu, man habe sich bemüht, Schnitte für verschiedene Frauentypen und Größen zu finden und wolle damit bequeme, moderne und feminine Stücke schaffen. Zudem spricht die Firma nicht konkret von Übergrößen, sondern von "junger, moderner, bequemer Kleidung für jeden Anlass".

Für die Neusser Psychologin Susanne Altweger bedeutet ein derartiges Größen-Konzept eine "klare Diskriminierung durch die Hintertür". Es werde nach wie vor an falschen Idealen festgehalten. Dabei hatte es gerade in den vergangenen Jahren in der Modebranche etliche Anstrengungen gegeben, sich gegen den verbreiteten Schlankheitswahn und Magermodels zu stemmen. Noch 2009 hatte Karl Lagerfeld in einem Interview gesagt: "Da sitzen dicke Muttis mit der Chipstüte vor dem Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich." Kurz darauf trat die übergewichtige Sängerin Beth Dito in einer seiner Schauen auf. Etliche internationale Modeverbände verpflichteten sich zudem, stark untergewichtige und minderjährige Models nicht mehr auf den Laufstegen zuzulassen.

Auch Marilyn Monroe würde "Plus-Size" tragen

Zeitschriften wie "Brigitte" setzten für ihre Modestrecken auf "Durchschnittsfrauen", die "Vogue" verzichtete per Kodex auf Magermodels und Unternehmen wie "Dove" warben mit normalen Frauen. Auch renommierte Modenschauen in New York und Berlin räumten dem Normalmaß größeren Raum an. Offensichtlich mit begrenzter Nachhaltigkeit. "Jede Zeit hat ihr eigenes Schönheitsideal", sagt Altweger, "und das ist fest im kollektiven Bewusstsein verankert."

Frauen wie Sophia Loren oder Marilyn Monroe galten zu ihrer Zeit als Göttinnen — heute würden sie wie Model Robyn Lawley mit dem Zusatz "Plus-Size" belegt. Nach wie vor, sagt Altweger, geht es der Modeindustrie eben vor allem darum, Illusionen und Träume zu verkaufen. Wohlwissend, dass diese von den meisten Frauen nicht zu erreichen sind und die Kluft zwischen Ideal und Wirklichkeit krank machen kann. Generell sei es nicht verwerflich, davon zu träumen, schön wie eine Prinzessin zu sein, sagt die Psychologin. "Schönheit und Glück hängen für viele Frauen zusammen, daraus beziehen sie ihr positives Selbstwertgefühl." Erst wenn dieser Traum als Ideal in der Wirklichkeit zementiert wird und sich damit auf den Alltag auswirkt, droht Gefahr — beispielsweise, wenn Übergewichtige generell als zügellos oder undiszipliniert diskriminiert werden, wie es oft der Fall sei.

Nicht einmal eine Frage des Betrachters

Immerhin zeigt die derzeitige Diskussion, dass durchaus ein breites kritisches Bewusstsein für die überzogenen Kategorisierungen der Modeindustrie existiert. Genauso wie ein Gespür dafür, was dick oder dünn, schön oder hässlich ist. "Sieht doch völlig normal und weiblich aus. Klasse", beurteilt eine Userin das Foto von "Plus-Size"-Model Lawley.

Für Altweger ist das genau die richtige Haltung. Denn aus psychologischer Sicht sei einem Schönheitsideal und den damit verbundenen Verwerfungen nur schwer beizukommen. Am besten wappne ein gesundes Selbstwertgefühl gegen die Torheiten der Modewelt. Altweger: "Eine Frau, die mit sich selbst im Reinen ist, ist immer wunderschön." Und das ist nicht einmal eine Frage des Betrachters.

(RP)