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"Hansa Stavanger": Piraten verschleppen Deutsche aufs Festland

"Hansa Stavanger" : Piraten verschleppen Deutsche aufs Festland

Berlin (RPO). Einem Medienbericht zufolge spitzt sich die Situation der Geiseln auf dem entführten deutschen Frachter "Hansa Stavanger" dramatisch zu. Demnach werden die Entführer zunehmend nervös und haben inzwischen vier Geiseln, darunter drei Deutsche, auf das somalische Festland verschleppt. An Bord des Schiffes soll Chaos herrschen.

Immer wieder scheiterten in den vergangenen Wochen die Verhandlungen über Lösegeldzahlungen. Nach einem Bericht von "Spiegel Online" hat sich die Lage der entführen 24 Seeleuten, darunter fünf Deutschen, inzwischen dramatisch zugespitzt. Demnach erhöhen die Entführer nun den Druck auf die Hamburger Reedere Leonhardt & Blumberg deutlich. Das Nachrichtenportal berichtet, die Piraten hätten vier der Geiseln, zwei 19-jährige deutsche Auszubildende, einen deutschen nautischen Offizier sowie einen russischen Offizier, auf das somalische Festland verschleppt. Inzwischen sollen die Seelaute mehr als eine Stude von der somalischen Hafenstadt Haradhere aufhalten, wo das Schiff derzeit liegt.

Medienberichten zufolge, herrscht auf dem entführten Frachter inzwischen Angst und Chaos. Ausdruck dafür ist der deutlich veränderte Tonfall in den E-Mails, die der Kapitän des Schiffes sendet. Laut "Spiegel Online" schrieb der Kapitän anfangs noch, die Entführer seien "bekifft, aber freundlich", inzwischen berichtet er von Angst und Terror, den die Seeräuber verbreiten.

Der Krisenstab der deustchen Bundesregierung bemüht sich unterdessen weiter mit Hochdruck um eine Freilassung, wie der Sprecher des Berliner Außenamts bereits am Samstag sagte.

Der "Spiegel" berichtete, die Ehefrau des Kapitäns der "Hansa Stavanger", der seit mehr als 100 Tagen festgehalten wird, wolle Leonhardt & Blumberg wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. "Es liegt in der Hand der Reederei, die Geiselnahme zu beenden", sagte sie dem Magazin. Das Unternehmen feilsche extrem hart um das Lösegeld und bewege sich nicht mehr. Firmenchef Frank Leonhardt wollte sich laut "Spiegel" zu den Verhandlungen nicht äußern.

Ende April hatte die Regierung wegen Sicherheitsbedenken einen Kampfeinsatz der Anti-Terroreinheit GSG-9 zur Befreiung der "Hansa Stavanger" abgebrochen. Die Geheimoperation einer 200 Mann starken Spezialeinheit wurde wegen zu hoher Risiken für das Leben der 24 Geiseln und der Polizisten eingestellt.

Streit um die richtige Taktik

Im Streit über die richtige Taktik gegen somalische Piraten geraten Deutschlands Schiffseigner derweil auch in der eigenen Branche unter Druck: Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hatte der Bundesregierung vorgeschlagen, Soldaten auf besonders gefährdeten Schiffen mitfahren zu lassen. Das Verteidigungsministerium lehnt die Idee ab.

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"Man kann so etwas nicht gutheißen", sagt nun auch Kapitän Karlheinz Römer vom Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere. Die Gefahr für die Mannschaften sei bei Gefechten zu groß. Den Vorwurf des Verteidigungsministeriums, die meisten Schiffe würden nicht auf die geschützten Konvois durchs Piraten-Revier warten und sich dadurch in Gefahr bringen, kontert der VDR: Es gebe oft organisatorische Probleme bei den Konvois, und die Kommunikation mit den Kriegsschiffen sei schwierig.

Hier geht es zur Infostrecke: 2009: Deutsche Schiffe im Visier der Piraten