Kuba empfängt Benedikt XVI.: Papstbesuch im Land der Atheisten

Kuba empfängt Benedikt XVI. : Papstbesuch im Land der Atheisten

Papst Benedikt XVI. besucht Kuba. Das Treffen hat aus Sicht der Kirche einen ganz besonderen Reiz. Das kommunistische Kuba hatte einst den Atheismus in der Verfassung verankert und Weihnachten zum normalen Arbeitstag erklärt. Nun wird Papst Benedikt XVI. für ein Comeback des Glaubens werben. Ob es zu einem Treffen mit Fidel Castro kommen wird, bleibt fraglich.

Das deutsche Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche wurde am Montag auf der Karabikinsel erwartet. Viele Kubaner verknüpfen mit ihm die Hoffnung auf wirtschaftlichen und politischen Wandel. Im Gegenzug setzt die Kirche auf eine Wiedergeburt des Glaubens.

Präsident Raul Castro will Benedikt zum Auftakt des dreitägigen Besuches auf dem Flughafen von Santiago de Cuba empfangen. In Kuba sind sich Staat und Kirche in den 1990er Jahren wieder näher gekommen. Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. hatte Kuba vor 14 Jahren besucht. 1992 änderte Kuba seine Verfassung von einer atheistischen zur einer säkularen. Fortan durften auch Gläubige Mitglied in der Kommunistischen Partei werden.

Kubaner skeptisch

Auf Kuba domnieren derzeit zwei Hauptreligionen: der Katholizismus und die so genannte Santería, eine Mischreligion, die christliche Elemente mit afrikanischen vermischt. Laut Wikipedia sind etwa 35 Prozent der Kubaner katholisch getauft, darunter auch viele Anhänger der kaum organisierten Santería. Vermutlich wird der Papst ähnlich wie in Mexiko auch in Kuba die Gläubigen aufrufen, zum reinen katholischen Glauben zurückzukehren.

Doch sind die Beziehungen zwischen Kuba und der katholischen Kirche nicht eben einfach. Noch in Mexiko hatte Benedikt die kommunistische Herrschaft auf Kuba als nicht mehr zeitgemäß kritisiert. Für das Land müsse ein neues Gesellschaftsmodell gefunden werden. Dabei sei die Kirche, die außerhalb des Staates die größte und einflussreichste gesellschaftliche Gruppe ist, bereit zu helfen.

Ein Brief von 1984 ist nicht vergessen

Etliche Kubaner können mit derlei Kritik nichts anfangen. "Wir wissen, dass die Welt in diesen Tagen auf uns schaut", sagt etwa die 60-jährige Miriam. Miriam, die ihren Nachnamen nicht nennen will, steht dem "neuen Papst", wie sie ihn nennt, eher skeptisch gegenüber, so wie viele Katholiken auf der Insel.

"Wir haben den Brief nicht vergessen", betont Miriam. Sie spielt damit auf eine 1984 von Joseph Ratzinger verfasste Glaubenskongregation an. Der heutige Papst hatte damals - mit dem Wohlwollen von Johannes Paul II., massiv die politischen Verhältnisse in kommunistischen Regimen kritisiert.

Wenig Präsenz in den Medien

Doch es ist nicht nur diese fast 20 Jahre alte Geschichte, die das Verhältnis zwischen Kuba und dem Vatikan trübt. Auch als Person kann Benedikt XVI. bei den Menschen nicht besonders punkten. "Den anderen (Johannes Paul II.) mochten wir mehr, weil er nahe an den Menschen war." Zudem stößt die Fahrt im voraussichtlich geschlossenen Papa-Mobil auf keinerlei Verständnis. "Er soll nicht in seinem Glasgefäß kommen, er soll sich unter die Menschen begeben, sie segnen", kritisiert Miriam.

Offiziell ist dies in Kuba in diesen Tagen aber kein Thema. Die Medien berichten nur wenig über den anstehenden Besuch. Für die Katholiken sind Fernsehen, Radio und Zeitungen in diesem Fall jedoch ohnehin nicht wichtig, wie Miriam meint: "Die Informationen bekommen die Kubaner in den Kirchen."

Sarkastische Scherze

Auf der Straße wird bei den Kubanern unter der Hand sarkastisch bemerkt: "Die Leute sagen, der Papstbesuch kostet uns 20 Millionen Pesos (15 Millionen Euro), und ich habe nichts zu essen."

Trotz aller Kritik und Skepsis - zur Abschlussmesse am 28. März unter freiem Himmel auf dem Platz der Revolution werden Hunderttausende erwartet. Zuvor werden viele Tausende in einer gemeinsamen Prozession die Schutzpatronin Kubas zu dem Platz geleiten. Benedikt XVI. will sie bei der Messe segnen. Dies macht auch der kritischen Miriam Hoffnung: "Man weiß ja nie was passiert. Wenn der Papst kommt, können Wunder passieren."

Treffen mit Fidel?

Unklar blieb zunächst, ob Benedikt auch den 85-jährigen Fidel Castro und den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez treffen wird. Chavez hält sich zur Krebsbehandlung in Kuba auf und hat sich seit seiner Erkrankung wieder der Religion zugewandt.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte kritisierte Massenfestnahmen von Dissidenten und Bettlern unmittelbar vor dem Papstbesuch. In Havanna seien etwa 70 Oppositionelle und 100 Bettler festgesetzt worden.

(REU/dpa)
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