Papst vergleicht Abtreibungspraxis mit Euthanasie der Nazis

„Dasselbe mit weißen Handschuhen" : Papst vergleicht Abtreibungspraxis mit Euthanasie der Nazis

Mit scharfen Worten wendet sich der Papst gegen Schwangerschaftsabbrüche aus medizinischer Indikation. Franziskus zieht Parallelen zwischen der Abtreibung behinderter Embryos und der NS-Praxis zur Vernichtung sogenannten unwerten Lebens.

"Das machen wir weg", laute oft die erste Reaktion auf die mögliche Behinderung eines ungeborenen Kindes, sagte der Papst in einer Ansprache vor dem Forum italienischer Familienverbände am Wochenende im Vatikan. "Mord an Kindern - um ein ruhiges Leben zu bewahren, wird ein Unschuldiger plattgemacht", empörte sich das Kirchenoberhaupt. Im vergangenen Jahrhundert habe sich die ganze Welt über die Euthanasie der Nazis empört. "Heute machen wir dasselbe mit weißen Handschuhen." Ärzte rieten Schwangeren offenbar, Embryos mit Behinderungen abzutreiben, sagte der Papst in seiner frei gehaltenen Ansprache. Um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, stellte Franziskus die rhetorische Frage, warum in der Öffentlichkeit keine kleinwüchsigen Menschen zu sehen seien. „Weil das Protokoll vieler Ärzte sagt, der wird nicht gut, schicken wir ihn weg.“

Zudem kritisierte der Papst die Verwendung eines schwammigen Begriffs von Familie. Ja, es gebe Sternfamilien, Baumfamilien, Tierfamilien. "Aber es gibt nur eine Familie nach Gottes Bild, jene zwischen Mann und Frau - und die Ehe ist ein großartiges Sakrament." Dabei erinnerte Franziskus an sein Schreiben von 2016 über Ehe und Familie. Leider hätten einige "Amoris laetitia" zu einer "sterilen Kasuistik des 'man darf - man darf nicht' reduziert". Die aber hätten "nichts verstanden", so der Papst. Umgekehrt gingen manche Menschen eine Ehe ein wie ein Lotteriespiel: "Wenn es klappt, klappt es, wenn es nicht klappt, beenden wir die Sache und beginnen eine neue."

Er wisse, dass ein Leben als Paar und als Familie nicht leicht sei. Deswegen müsse man die Vorbereitungen auf die Ehe verbessern und den Paaren besser helfen. Aber auch die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für Familien müssten besser werden. Auch sollten Paare sich in der Ehe um Geduld bemühen. Wenn aber Fehler begangen worden seien, dürfe man den Partner nicht zu lange auf eine Bitte um Entschuldigung warten lassen.

Franziskus wirkt liberaler als seine Vorgänger. Er hatte in der Vergangenheit die Kirche dafür kritisiert, sich zu sehr auf Abtreibungs- und Verhütungsdebatten zu konzentrieren, und gesagt, es sei nicht an ihm, über Homosexuelle zu richten. In der Lehre der katholischen Kirche über Sexualität und Familienplanung gab es unter Franziskus aber keine Reformen.

(wer/kna/epd)
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