Gelehrte erheben schweren Vorwurf: Papst soll von Missbrauch gewusst haben

Gelehrte erheben schweren Vorwurf : Papst soll von Missbrauch gewusst haben

Mexikanische Gelehrte haben wegen der Missbrauchsskandale in der Kirche schwere Vorwürfe gegen Papst Benedikt XVI. erhoben. Als Chef der Glaubenskongregation habe er von den kriminellen Machenschaften des mexikanischen Gründers der Legion Christi, Marcial Maciel, gewusst und sie verschwiegen.

Das sagten Fernando González von der nationalen Universität UNAM, der Ex-Priester Alberto Atié und der Religionsexperte Bernardo Barranco am Samstag bei der Vorstellung des Buches "La voluntad de no saber" ("Der Wille, nicht zu wissen") in Leon, wo sich der Papst derzeit während seiner Pastoralreise aufhält.

Der Skandal um Maciel (1920-2008) hatte in den vergangenen Jahren in Mexiko für erhebliches Aufsehen gesorgt. Der Geistliche wurde beschuldigt, nicht nur Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht, sondern auch mit zwei Frauen drei Kinder gezeugt zu haben. In dem jetzt veröffentlichten Buch sind den Angaben zufolge Dokumente aus den vatikanischen Archiven enthalten, die belegen sollen, dass Johannes Paul II. und sein Nachfolger über Maciel Bescheid wussten, aber nichts gegen ihn unternommen haben.

Die Experten forderten Benedikt auf, sich als die höchste Autorität der Kirche für den Missbrauch der Jugendlichen zu entschuldigen und die notwendigen Maßnahmen anzukündigen, damit sich derartige Situationen nicht wiederholten. Nach Angaben des Vatikans ist das Thema der Päderastie nicht auf der Agenda der Papstreise. Auch ist kein Treffen des Papstes mit Opfern Maciels vorgesehen.

"Das Buch beweist mit Dokumenten, was wir schon argwöhnten", sagte der Religionsexperte Barranco, der das Vorwort verfasste. Einer der Autoren, Jose Barba, der selbst Missbrauchsopfer war, sagte, er habe seinen Fall gemeinsam mit anderen Opfern im Jahre 1998 bei den vatikanischen Instanzen angezeigt.

(dpa)
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