Papst Franziskus spricht Paul VI. und ermordeten Bischof heilig

Messe auf dem Petersplatz : Papst Franziskus spricht Paul VI. und ermordeten Bischof heilig

Paul VI. ist vor allem als Papst des Zweiten Vatikanischen Konzils bekannt. Romero hatte öffentlich die Unterdrückung durch die salvadorianische Militärdiktatur zu Beginn des Bürgerkriegs angeprangert. Jetzt sind sie heilig gesprochen worden.

Das katholische Kirchenoberhaupt würdigte die beiden am Sonntag als Menschen, die sich den Armen zugewandt hätten. Er erklärte sie bei einer Messe auf dem Petersplatz vor rund 70.000 Gläubigen, Präsidenten und rund 5000 salvadorianischen Pilgern für heilig.

Franziskus sprach neben Romero und Paul VI. auch Francesco Spinelli, Vincenzo Romano, Nazaria Ignacia March Mesa, Nunzio Sulprizio und die deutsche Ordensschwester Maria Katharina Kasper heilig.

Franziskus zeigte den starken Einfluss, den Paul VI. und Romero auf ihn, den ersten lateinamerikanischen Papst der Geschichte, hatten. Der aktuelle Papst trug den mit Blut verschmierten Gürtel, den Romero angehabt hatte, als er 1980 erschossen wurde. Franziskus verwendete auch den Stab und Kelch von Paul VI. Der frühere Papst hatte die umstrittenen Kirchenreformen in den 1960ern geleitet. Romero wurde von rechten Todesschwadronen in El Salvador wegen seiner Verteidigung der Armen ermordet.

In seiner Predigt bezeichnete Franziskus Paul VI. als „Propheten einer hinausgehenden Kirche, die Weitblick hat und sich um die Armen kümmert“. Romero habe seine Sicherheit und sein Leben aufgegeben. „Er war den Armen und seinem Volk nahe.“

Franziskus warnte, wer nicht wie die beiden neuen Heiligen alles zurücklasse, auch sein Vermögen, der laufe Gefahr, niemals wirklich Gott zu finden. Reichtum sei gefährlich „und – so sagt Jesus – macht es schwer, sich zu retten“, sagte der Papst. „Wo das Geld im Mittelpunkt steht, gibt es keinen Platz für Gott und auch keinen Platz für den Menschen.“

Romero war Erzbischof von San Salvador. Er wurde am 24. März 1980 ermordet, als er eine Messe leitete. Er hatte öffentlich die Unterdrückung durch die salvadorianische Militärdiktatur zu Beginn des Bürgerkriegs angeprangert, der von 1980 bis 1992 dauerte. Romero wird häufig neben Martin Luther King jr. und Mahatma Gandhi als einer der einflussreichsten Menschenrechtsaktivisten der Welt genannt. Die Vereinten Nationen erinnern jedes Jahr an seinen Todestag. Franziskus kam zu dem Schluss, dass Romero ein Märtyrer der Kirche gewesen sei.

Paul VI. ist vor allem dafür bekannt, dass er das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende führte. Das Kirchentreffen zwischen 1962 und 1965 öffnete die katholische Kirche. Unter seiner Ägide genehmigte die Kirche, dass die Liturgie in der Alltagssprache gefeiert werden könne, statt auf Lateinisch. Sie forderte größere Rollen für Laien und verbesserte Beziehungen zu Personen anderer Religionen. Paul VI. ist auch für seine wichtigsten Lehrdokumente bekannt. Eines prangerte die zunehmende Ungleichheit zwischen Arm und Reich an. Das andere, „Humanae Vitae“, bekräftigte die Ablehnung der katholischen Kirche von künstlicher Verhütung.

(hebu/AP/dpa)
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