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Papst Franziskus besucht auf einer viertägigen Reise erstmals den Irak

Papst Franziskus besucht Irak : Besuch an der geschundenen Wiege der Menschheit

Bisher hat noch nie ein Oberhaupt der katholischen Kirche den Irak besucht. Am Freitag reist Papst Franziskus erstmals in das von Gewalt und Korruption gezeichnete Land.

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist Papst Franziskus nicht mehr ins Ausland gereist. An diesem Freitag fliegt das Oberhaupt der katholischen Kirche zu einem viertägigen Pastoralbesuch in den Irak. Kein Papst hat das Land an den Flüssen Euphrat und Tigris je besucht, Johannes Paul II. hatte im Jahr 2000 eine Visite geplant, die der damalige Diktator Saddam Hussein nicht genehmigte. Auch der Besuch von Franziskus steht wegen der Sicherheitslage bis zuletzt auf wackeligen Füßen. Korruption, aber vor allem Gewalt fundamentalistischer Gruppen beeinträchtigen die Entwicklung des Landes. Am 21. Januar forderte ein Bombenanschlag in Bagdad 32 Todesopfer, Mitte Februar gab es einen Raketenangriff auf den Flughafen Erbil, wo auch Franziskus landen soll. Trotz allem wird der Papst an diesem Freitag in der Hauptstadt erwartet.

Die Regierung bietet 10.000 Polizei- und Sicherheitsbeamte für den Besuch von Franziskus auf. Im Internet haben religiöse Fanatiker bereits gegen den Besuch des 84-Jährigen protestiert. „Alles, was aus dem Westen kommt, ist für diese Fundamentalisten ein Kreuzzug“, sagt Bashar Warda, katholischer Erzbischof von Erbil im Nordirak. „In den Augen der Fundamentalisten ist der Papst der König der Kreuzfahrer, der das Land als Missionar besucht.“ Der Vatikan beabsichtigt freilich eine andere Botschaft mit der einmaligen Visite. Zum Einen soll der Papst den nur noch wenigen verbliebenen Christen im Irak Mut zusprechen. Vor der militärischen Invasion der USA im Jahr 2003 lebten 1,5 Millionen Christen im Irak, nach der Schreckensherrschaft des Islamischen Staates zwischen 2014 und 2017 sind es heutigen Schätzungen zufolge nur noch 300.000, die meisten flüchteten ins Ausland.

Zweiter Schwerpunkt der Reise sollen die Versöhnung und der Dialog der Religionen sein, das Motto der Fahrt lautet „Ihr seid alle Brüder“. So kommt Franziskus schon am zweiten Tag mit dem schiitischen Großayatollah Ali al-Sistani zusammen, die Begegnung findet in der „heiligen Stadt“ der irakischen Schiiten Nadschaf statt. Vor zwei Jahren war Franziskus bereits als erster Papst auf die arabische Halbinsel nach Abu Dhabi gereist und hatte mit sunnitischen Religionsführern ein gemeinsames Dokument veröffentlicht. Die irakischen Christen erhoffen sich vom Besuch eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen im Land. „Die Menschen im Irak wissen wenig über uns“, sagt Erzbischof Warda. „Wir hoffen, dass das Bewusstsein dafür wächst, dass wir keine Gäste, sondern Ur-Einwohner des Landes sind.“

Nach der Begegnung mit al-Sistani fliegt Franziskus zu einem interreligiösen Treffen nach Ur, der antiken Stätte, die als Heimat von Abraham gilt, des Urvaters der drei monotheistischen Religionen Judentum, Islam und Christentum. Laut Altem Testament zog Abraham von Ur nach Kanaan, durch ihn sollten „alle Geschlechter der Erde Segen erlangen“. In diesem Geist besucht mit Franziskus erstmals ein Papst diese Wiege der Menschheit. In Ur, bei dem Treffen unter anderem mit sunnitischen und jesidischen Vertretern soll der interreligiöse Dialog neuen Schwung bekommen. „Abraham ist unser aller Vater, von Juden, Christen und Moslems“, sagt Kardinal Louis Raphael Sako, Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche. „Es geht darum, den wahren Kern der heiligen Schriften wieder offen zu legen, der aus Harmonie und Liebe besteht.“ Im Zentrum der Religionen stehe nicht Gott, sondern der Mensch. Auf seiner 33. Auslandsreise wird Franziskus die frühere Hochburg des IS, Mossul, sowie die Stadt Karakosch in der Ninive-Ebene besuchen, aus der zehntausende Christen von den Fundamentalisten vertrieben worden waren. In Mossul will der Papst für die Opfer des Krieges beten. Zum Abschluss der Reise feiert Franziskus einen Gottesdienst in der kurdisch-irakischen Stadt Erbil mit 10.000 Teilnehmern, die örtlichen Behörden genehmigten die Messe mit Publikum in einem 30.000 Menschen fassenden Stadion. Um Ansteckungen zu vermeiden wurden der Papst und seine Delegation bereits gegen Sars-CoV-2 geimpft. Laut Kardinal Sako handelt es sich bei der Reise um ein „außerordentliches Ereignis“. „Wir haben seit Jahrzehnten auf diesen Besuch gewartet“, sagte der gebürtige Iraker. Die Reise des Papstes sei ein Zeichen der Hoffnung, nicht nur für den Irak, sondern für den gesamten Mittleren Osten.