Notre-Dame: Demonstrationsverbot für „Gelbwesten“ nach Großbrand

Nach Großbrand : Demonstrationsverbot für „Gelbwesten“ vor Notre-Dame

Die Pariser Polizei hat ein Demonstrationsverbot für die Seine-Insel Île de la Cité verhängt - auf ihr steht die Kathedrale Notre-Dame, in der es gebrannt hatte. Das Verbot gilt auch für das angrenzende linke Seine-Ufer. Betroffen davon sind die „Gelbwesten“.

Aus „Sicherheitsgründen“ und zum Schutz der beschädigten Kirche dürften innerhalb der Sicherheitsabsperrungen keine Demonstrationen stattfinden, erklärte die Polizei. Notre-Dame war in der Nacht zu Dienstag durch einen Großbrand, ausgelöst wohl durch einen Kurzschluss, schwer beschädigt worden. Wie in den Vorwochen sind am Samstag auch Demonstrationen auf dem Boulevard Champs-Elysées und am Elysée-Palast, dem Amtssitz von Präsident Emmanuel Macron, verboten.

Die „Gelbwesten“ protestieren seit fünf Monaten für mehr soziale Gerechtigkeit und niedrigere Steuern. Der kommende Samstag ist der 23. Protestsamstag in Folge. Bei den Demonstrationen gab es immer wieder schwere Ausschreitungen.

Die Umfragewerte des französischen Präsidenten Emmanuel Macron sind seit dem verheerenden Brand in Notre-Dame leicht gestiegen. Macron kommt in einer am Freitag veröffentlichten Online-Umfrage des Instituts BVA auf eine Zustimmung von 32 Prozent. Er erreichte damit den Stand von September 2018, vor der Krise rund um die „Gelbwesten“-Bewegung. 67 Prozent und damit drei Prozent weniger als vor einem Monat gaben in der Umfrage an, mit seiner Arbeit nicht zufrieden zu sein.

Sieben von zehn Franzosen sahen demnach am Dienstagabend die Fernsehansprache Macrons, in der er einen Wiederaufbau von Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren versprach. 62 Prozent von ihnen beurteilten sie als dem Ereignis angemessen.

Für die Umfrage für den Telekommunikationskonzern Orange, RTL und die Wirtschaftszeitung „La Tribune“ wurden am Mittwoch und am Donnerstag rund 1000 Franzosen ab 18 Jahren befragt. Die Fehlerquote wurde mit 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten angegeben.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat nach dem Feuer in der Kathedrale zu einem Schulterschluss der Franzosen aufgerufen. „Die Zeit des Wiederaufbaus muss eine Zeit der Einigkeit werden“, sagte sie am Donnerstagnachmittag bei einem Festakt vor dem Pariser Rathaus.

„An diesem Abend des 15. April sah ich euch Feuersoldaten in Aktion“, sagte Hidalgo an die Feuerwehr gerichtet. Sie habe „Mut ohne Grenzen“ gesehen. Mit ihrem Einsatz hätten die Helfer „einen Teil von uns allen gerettet“.

Video dokumentiert Einsatz an Notre-Dame

Auch Frankreichs Innenminister Christophe Castaner würdigte den Einsatz der Feuerwehrleute. „Sie haben ihr Leben riskiert, um Notre-Dame zu retten.“ Die Kathedrale gehöre der ganzen Welt. „Sie wird sich wieder aufrichten.“

Auf dem Rathausvorplatz versammelten sich Hunderte Menschen und applaudierten dem Pariser Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. Bei dem Festakt wurde aus Texten des großen Schriftstellers Victor Hugo vorgelesen, der mit seinem 1831 erschienenen Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ die weltberühmte Kathedrale in der Weltliteratur verewigt hatte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So beschädigt ist die Kathedrale Notre-Dame von innen

(hebu/AFP/dpa)
Mehr von RP ONLINE