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Norwegischer Massenmörder Breivik will vorzeitig aus der Haft

Keine Spur von Reue : Norwegischer Massenmörder Breivik will vorzeitig aus der Haft

Der Terrorist Anders Breivik stellt nach eigener Einschätzung keine Gefahr mehr dar. Es gilt als unwahrscheinlich, dass das Gericht ihn auf freien Fuß setzt. Von Reue fehlt nach wie vor jede Spur.

Nach zehn Jahren Haft hofft der norwegische Terrorist und Massenmörder Anders Behring Breivik vor Gericht auf Milde. Breivik wollte am Dienstag eine vorzeitige Entlassung aus der Haft beantragen und führt an, er stelle für die Gesellschaft keine Gefahr mehr dar. Der 42-Jährige zeigte bisher keine Reue für die Ermordung von 77 Menschen in Oslo und auf der Insel Utøya, für die er zu 21 Jahren Haft verurteilt wurde.

Familien von Opfern und Überlebende befürchteten, dass Breivik während der Anhörung seine extremen Ansichten zur Schau stellen würde, was nach Ansicht von Experten kaum zu einer vorzeitigen Entlassung führt. Die Psychiaterin Randi Rosenqvist, die Breivik seit seiner Inhaftierung im Jahr 2012 begleitet, sagte, sie könne keine großen Veränderungen in dessen Funktionsweise feststellen. „Im Prinzip und in der Praxis müsste jemand, der Bewährung beantragt, Reue zeigen und beweisen, dass er versteht, warum solche Taten nicht wiederholt werden können“, sagte sie.

Bei Breivik ist das nicht der Fall. In seinem Strafprozess prahlte er mit dem Ausmaß seiner Taten, in einem Menschenrechtsprozess 2016 erhob er die Hand zum Hitler-Gruß.

Die Psychiaterin wollte bei seiner Anhörung aussagen und das Gutachten vorlegen, das in der Regel entscheidend ist, wenn Straftäter nachweisen sollen, dass sie nicht mehr gefährlich sind. „Das ist unwahrscheinlich“, sagte Berit Johnsen, Forschungsprofessorin zum Thema Strafvollzug. „Ich denke, es ist ziemlich offensichtlich, dass ein hohes Risiko besteht, dass er neue Straftaten begeht, wenn er entlassen wird.“

Die Anhörung war für drei Tage angesetzt. Mit einer Entscheidung ist jedoch erst in einigen Wochen zu rechnen.

Breivik hatte am 22. Juli 2011 nach monatelanger Vorbereitung eine Autobombe vor dem Regierungssitz in Oslo gezündet und acht Menschen getötet. Danach fuhr er auf die Insel Utøya, wo er auf die jugendlichen Teilnehmer eines Sommerlagers der Arbeitspartei schoss. Dort tötete er 69 Menschen, die meisten waren noch Teenager. Nach den Taten stellte sich Breivik der Polizei. 2012 wurde er zur Höchststrafe von 21 Jahren Gefängnis verurteilt. Sollte er über diese Zeit hinaus eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen, kann er unbegrenzt inhaftiert bleiben.

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„Nach norwegischem Recht hat er jetzt das Recht, vor einen Richter zu treten“, sagte Breiviks Anwalt Øystein Storrvik. Storrvik bestätigte, dass Breivik den schwedischen Neonazi Per Oberg zu seiner Verteidigung aufrufen wolle. Ansonsten wollte er sich nicht zur Grundlage von Breiviks Antrag äußern, stellte aber klar, dass niemand Reue erwarten dürfe. „Nach dem Gesetz gibt es keine Verpflichtung, dass man Reue zeigen muss“, sagte Storrvik.

Lisbeth Kristine Røyneland, die eine Selbsthilfegruppe für Angehörige und Überlebende leitet, befürchtete, dass Breivik eine Plattform geboten werde, die gleichgesinnte Ideologen inspirieren könnte. „Ich glaube, er tut das, um Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagte sie. Er erhalte die Möglichkeit, seine extremen Ansichten an Menschen weiterzugeben, die die gleiche Denkweise hätten.

(chal/dpa)