Nigeria: Dutzende Schüler bei Anschlag getötet

Sprengsatz explodiert in Menschenmenge: Dutzende Schüler bei Anschlag in Nigeria getötet

Grausamer Terroranschlag in Nigeria: Ein Selbstmordattentäter hat sich mitten auf dem Schulhof in die Luft gesprengt. Mindestens 48 Jugendliche starben. Augenzeugen berichten von entsetzlichen Details. Überall sind weinende Väter und Mütter zu hören. Bekannt hat sich bislang niemand. Doch die Tat trägt die Handschrift von Boko Haram.

In der Schule im Nordosten sprengte sich der Attentäter am Montagmorgen in die Luft. Er riss mindestens 48 Jugendliche mit in den Tod. Dies berichteten Überlebende und ein Mitarbeiter einer Leichenhalle in der Stadt Potiskum im Staat Yobe.

Für den Angriff soll sich der Täter mit einer Schuluniform getarnt und unter die etwa 2000 Teilnehmer der Morgenversammlung am Technical Science College der Stadt gemischt haben. Die Bombe habe er wohl in seinem Rucksack getragen, berichteten Augenzeugen.

"Wir warteten gegen 07.30 Uhr auf die Ansprache des Rektors, als wir einen ohrenbetäubenden Krach hörten und ich zu Boden gerissen wurde", berichtete ein verletzter 17-jähriger Schüler aus dem Krankenhaus der Stadt. "Die Leute fingen an zu schreien und wegzurennen. Ich sah Blut auf meinem ganzen Körper."

Nach Angaben des Klinikpersonals wurden Dutzende Menschen mit ernsten Verletzungen behandelt. Wahrscheinlich müssten vielen von ihnen Gliedmaßen amputiert werden, hieß es. Auch am Tatort lagen laut Augenzeugen Körperteile verstreut. Die Toten waren nach Angaben des Totengräbers elf bis 20 Jahre alt.

"Ich habe gerade mit einem Lehrer meines Sohnes telefoniert. Mein Junge ist in Sicherheit, aber ich bin so traurig für die Eltern, die ihre Kinder verloren haben", sagte der Vater Mahe Ibrahim der Nachrichtenagentur dpa.

Soldaten, die zum Tatort eilten, wurden von einer wütenden Menge mit Steinen beworfen. Der Armee ist es bisher nicht gelungen, die islamistischen Fundamentalisten zu stoppen, bei deren Aufstand inzwischen Tausende getötet und Hunderttausende vertrieben wurden.

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"Die Leichen der Schüler liegen in Blutlachen auf dem Boden", zitierte die Zeitung "Premium Times" einen Zeugen. Die naturwissenschaftliche Schule "Potiskum Senior Science Secondary School" ist ein Jungeninternat im Zentrum von Potiskum.

Zahlreiche Eltern seien nach dem Anschlag auch zu anderen Schulen geeilt, um ihre Kinder abzuholen. "Alle Schulen der Stadt sind geschlossen worden", berichtete die Zeitung "Punch" unter Berufung auf einen Anwohner. Überall seien weinende Väter und Mütter zu hören.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Attentat, jedoch trägt es die deutliche Handschrift der sunnitischen Boko Haram. Die Gruppe, deren Name übersetzt soviel bedeutet wie "westliche Erziehung ist Sünde", greift immer wieder Schulen und andere Bildungseinrichtungen an. Im April entführten Mitglieder in dem Ort Chibok rund 200 Schülerinnen, von denen bis heute jede Spur fehlt.

In der Region wütet seit fünf Jahren ein Aufstand der Islamisten. Erst vor einer Woche waren in derselben Stadt 30 Leute bei einer Attacke auf eine religiöse Prozession gemäßigter Muslime umgebracht worden.

Boko Haram vertritt eine fundamentalistische Version des Islam und will in Nigeria einen Gottesstaat errichten. Traurige Berühmtheit erlangte die Gruppe im Frühjahr mit der Entführung von mehr als 200 Schulmädchen, die immer noch nicht frei sind.

Die nigerianische Regierung hatte am 17. Oktober einen Waffenstillstand mit Boko Haram verkündet. Doch gab es seither weitere Angriffe und Bombenanschläge. Boko-Haram-Anführer Abubakar Schekau streitet ab, dass eine Waffenruhe ausgehandelt wurde.

(AFP/AP)
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