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Niederlande nehmen MH17-Opfer in Empfang

Absturz in der Ost-Ukraine : Niederlande nehmen MH17-Opfer in Empfang

Sechs Tage nach dem Absturz der malaysischen Boeing in der Ost-Ukraine sind die ersten Todesopfer in die Niederlande überführt worden. Ein niederländisches Militärflugzeug brachte am Nachmittag 40 Särge aus der ukrainischen Stadt Charkow nach Eindhoven, wo König Willem-Alexander, Königin Máxima und Ministerpräsident Mark Rutte warteten.

Dessen Regierung hatte für gestern einen Tag der nationalen Trauer ausgerufen. Es war das erste Mal seit 52 Jahren. Alle Fahnen wehten auf halbmast. Zuletzt herrschte in den Niederlanden 1962 nach dem Tod von Königin Wilhelmina Staatstrauer.

Kurz nach dem Flugzeug des niederländischen Militärs setzte eine australische Militärmaschine mit weiteren Opfern an Bord auf dem Rollfeld auf. Bei dem Absturz der Boeing 777-200 der Malaysia Airlines waren am vergangenen Donnerstag 298 Menschen aus zehn Ländern getötet worden, darunter 193 Niederländer. Vier der Opfer stammten aus Deutschland.

Mit einer Schweigeminute ehrten die über 1300 versammelten Menschen, darunter viele Minister und Abgeordnete, die Opfer. Ein Trompeter spielte einen letzten Gruß. Dann trugen Soldaten den ersten Sarg auf ihren Schultern aus dem Flugzeug. Auf dem Rollfeld standen Dutzende Leichenwagen bereit. Bei der Zeremonie waren auch Vertreter aus jenen Ländern anwesend, aus denen andere Passagiere des Flugs MH17 stammten.

Auch im Rest der Niederlande galt die Schweigeminute. Das öffentliche Leben stand weitgehend still. Mit Trauerflor und Halbmastbeflaggung gedenken der Fußball und der übrige Sport in den Niederlanden der Opfer des Flugzeugabsturzes. Nach Fußball-Rekordmeister Ajax Amsterdam kündigten gestern weitere Top-Klubs wie Feyenoord Rotterdam an, zu Testspielen für die kommende Saison mit Trauerflor anzutreten. Bei weiteren Sportveranstaltungen sollen zunächst bis Sonntag die Flaggen auf halbmast wehen.

Bis morgen sollen alle geborgenen Leichen vom Absturzort in der Ost-Ukraine in die Niederlande gebracht werden, teilte die Regierung in Den Haag mit. Australiens Premierminister Tony Abbott äußerte sich jedoch besorgt über den Zustand von womöglich noch an der Absturzstelle verbliebenen Leichen. Die Bergung sei bisher unprofessionell verlaufen, kritisierte Abbott in Canberra.

Unterdessen begann der nationale Sicherheitsrat der Niederlande die Untersuchung nach der Ursache des Absturzes von Flug MH17 über der Ost-Ukraine. Die Experten hätten aber noch keinen Zugang zur Absturzstelle, teilte der Rat mit: "Zurzeit gibt es keine Garantie für die Sicherheit der Experten." Der Rat bemüht sich nach eigenen Angaben darum, den Schutz der Ermittler zu organisieren.

Die Niederlande hatten auf Ersuchen der Ukraine die Leitung der internationalen Untersuchung übernommen. Trotz der Zerstörung und Beseitigung von Spuren am Absturzort erwartet die niederländische Organisation, ausreichend Informationen sammeln zu können. Sowohl in den Niederlanden als auch in Kiew würden Informationen aus "verschiedenen Quellen" gesammelt und analysiert. Die zwei von den Separatisten ausgehändigten Flugschreiber der Boeing der Malaysia Airlines werden zurzeit in Großbritannien ausgewertet. Erste Ergebnisse erwartet der niederländische Rat in einigen Wochen.

Zu dem internationalen Team gehören zurzeit 24 Experten aus acht Ländern, darunter auch Deutschland und Russland, sowie der Internationalen Luftfahrt-Organisation ICAO. Der Sicherheitsrat ist in den Niederlanden für die unabhängige Untersuchung von Ursachen von Katastrophen und schweren Unfällen zuständig.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Willem-Alexander und Maxima trauern um MH17-Opfer

(RP)