Neuseeland gedenkt der Opfer des Christchurch-Attentats - Vergebung statt Hass

Vergebung statt Hass : Neuseeland gedenkt der Opfer des Christchurch-Attentats

Bei einer großen Gedenkveranstaltung gedenkt Neuseeland der Opfer des Christchurch-Anschlags. Ein Überlebender sagte, er vergebe dem Täter.

Obwohl der Attentäter von Christchurch auch die Frau eines Überlebenden umgebracht hat, will dieser ihm vergeben. Das sagte Farid Ahmed am Freitag (Ortszeit) bei einer Gedenkveranstaltung in Hagley Park für die Opfer des Anschlags. Der Täter hatte vor zwei Wochen das Feuer in zwei Moscheen eröffnet und 50 Menschen getötet.

„Ich will kein Herz haben, das wie ein Vulkan kocht“, sagte Ahmed. „Ein Vulkan hat Wut, Zorn, Rage. Er hat keinen Frieden. Er hat Hass. Er verbrennt sich selbst damit, und er verbrennt seine Umgebung. Ich will kein solches Herz haben.“

Der Name seiner Frau, Husna Ahmed, gehörte zu den 50 Namen der Opfer, die bei dem Gedenken verlesen wurde. Es war die dritte derartige Gedenkveranstaltung. Etwa 20 000 Menschen kamen, etwa neben der neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern auch Würdenträger anderer Länder wie der australische Premierminister Scott Morrison. Er sagte Reportern, der Gottesdienst sei „von absoluter Schönheit“ gewesen. Yusuf Islam, auch bekannt als Cat Stevens, spielte. Der Musiker war 1977 zum Islam konvertiert.

Die neuseeländische Polizei zeigte Präsenz, sperrte Straßen und patrouillierte im Park mit halbautomatischen Waffen. Die Atmosphäre war während des 90-minütigen Gedenkens an dem sonnigen Vormittag jedoch entspannt. Ardern, die einen Umhang der indigenen Maori trug, sagte, der Teufelskreis des Extremismus, in dem die Welt gefangen sei, müsse enden. Ihr Land habe von denjenigen gelernt, die von den Angriffen betroffen waren.

„Es waren Geschichten des Mutes. Geschichten von denjenigen, die hier geboren wurden, aufwuchsen oder Neuseeland zu ihrem Zuhause gemacht haben. Die Zuflucht suchten, oder ein besseres Leben für sich und ihre Familien“, sagte Ardern. „Diese Geschichten, diese neue Form unseres kollektiven Gedächtnisses. Sie werden uns bleiben. Sie sind wir.“

In einem ergreifenden Moment erinnerte ein Mädchen namens Salma an seinen Vater Ashraf El-Moursy, der ebenfalls getötet wurde. „Er war ein wirklich netter Mann“, sagte sie.

(zim/dpa)
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