Wende im Mordfall Malcolm X Schuldsprüche gegen zwei Ex-Häftlinge sollen aufgehoben werden

New York · 56 Jahre nach dem Attentat auf den US-Bürgerrechtler werden zwei verurteilte Männer freigesprochen. Die neuen Ermittlungen sollen unter anderem durch eine Netflix-Doku ins Rollen gebracht worden sein.

 Der Bürgerrechtler Malcolm X wurde erschossen, als er am 21. Februar 1965 im Ballsaal Audubon Ballroom im New Yorker Viertel Harlem eine Rede hielt.

Der Bürgerrechtler Malcolm X wurde erschossen, als er am 21. Februar 1965 im Ballsaal Audubon Ballroom im New Yorker Viertel Harlem eine Rede hielt.

Foto: dpa/---

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Attentat auf US-Bürgerrechtler Malcolm X sind die Schuldsprüche gegen zwei Männer aufgehoben worden. Eine Richterin in Manhattan kippte am Donnerstag die Hafturteile gegen den 83 Jahre alten Muhammad Aziz und den inzwischen verstorbenen Khalil Islam.

Staatsanwälte und Anwälte der Männer hatten den Fall zuvor wieder aufgerollt und erklärt, dass Aziz und Islam nicht in den Mord an Malcolm X verwickelt gewesen seien. Dies hätten neue Beweise ergeben. Die Behörden hätten einige Erkenntnisse zudem zurückgehalten. Aziz und Islam verbrachten also Jahrzehnte im Gefängnis für ein Verbrechen, das sie nicht begangen hatten.

Vorausgegangen waren fast zwei Jahre andauernde Ermittlungen durch das Büro von Manhattans Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance Jr. und Aziz' und Islams Anwälten. Öffentlich räumte die Bezirksstaatsanwaltschaft ein, dass die erstmals Anfang 2020 von dem Streaming-Dienst Netflix ausgestrahlte Dokumentation „Who Killed Malcolm X?“ („Wer tötete Malcolm X?“) den Anstoß dazu gegeben hatte, den Fall neu aufzurollen. Die Sendung spürt der Theorie von Forschern nach, wonach die damals Verurteilten unschuldig und die wahren Attentäter entkommen seien.

Malcolm X galt als eine der umstrittensten und schillerndsten Figuren der Ära der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Seinen Aufstieg feierte er als wichtigstes Sprachrohr von Nation of Islam, einer Organisation schwarzer Muslime, deren Hauptbotschaft er proklamierte: ethnischer Separatismus als Pfad zur Selbstverwirklichung der Schwarzen. Ihnen predigte Malcolm X, dass sie ihre Bürgerrechte „mit allen notwendigen Mitteln“ einfordern sollten.

Der Bürgerrechtler wurde erschossen, als er am 21. Februar 1965 im Ballsaal Audubon Ballroom im New Yorker Viertel Harlem eine Rede hielt. Aziz und Islam, damals als Norman 3X Butler und Thomas 15X Johnson bekannt, wurden 1966 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Aziz wurde 1985 auf Bewährung aus der Haft entlassen. Zwei Jahre später kam Islam frei. Er starb 2009.

(mcv/dpa)