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MTV: Preisverleihung in Ungarn trotz Anti-Homosexuellen-Gesetz

Trotz Anti-Homosexuellen-Gesetz : MTV feiert die Europe Music Awards dieses Jahr in Ungarn

Ungarn hat im Juni ein schwulenfeindliches Gesetz beschlossen. MTV will seine Europe Music Awards, die auch LGBTQ-Aktivisten auszeichnen sollen, dennoch in Budapest ausrichten.

Die MTV Europe Music Awards werden am 14. November in Ungarn verliehen. Der Sender bestätigte und verteidigte mit seiner Mitteilung vom Dienstag den Veranstaltungsort. Er tat das trotz eines im Juni von Ungarn verabschiedeten Gesetzes, das weithin als Anti-LGBTQ-Gesetz verurteilt wurde.

Die Zeremonie sei eine Gelegenheit, in dem Land ein Zeichen für die Bürgerrechte von Homosexuellen und Transsexuellen weltweit zu setzen, sagte Chris McCarthy, Präsident der MTV Entertainment Group Worldwide, in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. „Wir freuen uns darauf, die Veranstaltung zu nutzen, um unsere Stimmen zu verstärken und uns mit unseren LGBTQ-Geschwistern zu solidarisieren.“ Eine staatliche Zensur der Übertragung werde nicht geduldet.

Die konservative Regierungspartei des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban hat das Gesetz eingeführt, angeblich, um Pädophilie zu bekämpfen. Es verbietet die Darstellung jeder anderen als der heterosexuellen Orientierung sowie Informationen zu Geschlechtsumwandlung in der Schule oder in Filmen und Werbung, die sich an Personen unter 18 Jahren richten. Menschenrechtsgruppen haben das Gesetz scharf verurteilt, da es fälschlicherweise einen Zusammenhang zwischen Pädophilie und Homosexualität herstelle. Die Mehrheit der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union erklärte, das Gesetz verstoße gegen die Werte der EU.

MTV hatte vor zwei Jahren die Vereinbarung getroffen, die Show in Budapest zu veranstalten. Offenbar in Erwartung möglicher Kritik hat der Sender nun ein ausführliches Memo an die Mitarbeiter vorbereitet.

McCarthy schreibt darin, seine spontane und persönliche Reaktion als schwuler Mann auf das Gesetz sei gewesen, die Veranstaltung in ein anderes Land zu verlegen. Aber nach Beratungen innerhalb von MTV und mit LGBTQ-Befürwortern auf der ganzen Welt, auch in Ungarn, sei „ganz klar“ gewesen, was zu tun sei.

Als schwuler Jugendlicher in einer Stahlarbeiterstadt in Pennsylvania in den 1990er Jahren habe er sich isoliert und allein gefühlt, schreibt McCarthy weiter, bis er LGBTQ-Charaktere im Fernsehen gesehen habe, auch auf MTV. „Ich fing an zu denken: "Das könnte in Ordnung sein"“, sagte er der AP, und es sei beunruhigend, sich vorzustellen, dass ein junger Mensch aufgrund der ungarischen Fernsehbeschränkungen der gleichen Möglichkeit beraubt werde.

(ahar/dpa)