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Mini-Tsunami in Zandvoort: Flutwelle überspülte Strände in ganz Holland

Wetterphänomen über der Nordsee : Mini-Tsunami überspülte Strände in ganz Holland

Das Phänomen ist selten und wurde erstmals bildlich so gut dokumentiert: Eine zwei Meter hohe Flutwelle überspülte am Montag Strände an der gesamten holländischen Westküste. Wir erklären, wie das Wetterphänomen entstand.

Die ersten Meldungen über eine herannahende Flutwelle mittleren Ausmaßes kamen am Montagmorgen um 5.45 Uhr aus Südholland: Der Meeresspiegel stieg innerhalb kürzester Zeit um etwa zwei Meter an. Der Wetterplattform "weer.nl" zufolge wurden mehr oder weniger die gesamte Westküste entlang eine Reihe hoher Wellen beobachtet, die plötzlich aus südwestlicher Richtung auf die Küste zurollten.

Nachdem die Flutwelle zum Beispiel in der Ortschaft Rockanje Gegenstände und Holzverschläge am Strand von Rockanje weggespült hatte (siehe Video oben), erreichte sie kurze Zeit später die Strandabschnitte zwischen Katwijk und Zandvoort. Beide Orte liegen an der Küste der Niederlande nördlich von Den Haag.

Bei Zandvoort dokumentierten Passanten, was plötzlich am Strand geschah. Auf einem Handyvideo sieht man, wie die Welle den Strand erreicht und nach und nach alles mit sich reißt, darunter auch Strandkörbe. Dann arbeitet sich die Welle in nördlicher Richtung vor. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, es entstand nur Sachschaden.

Meteorologen sprechen bei diesem Phänomen von einem "Meteo-Tsunami", erklärt Meereskundler Jacco Kromkamp. Er arbeitet für das Königliche Niederländische Institut zur Erforschung der Meere (NIOZ). Hervorgerufen wird der "Meteo-Tsunami" durch eine sogenannte Böenlinie und durch eine Veränderung des Luftdrucks. Sie entsteht häufig als Vorläufer einer Gewitterfront und entspricht dem Wesen nach einer Kaltfront. Ein Foto auf Twitter zeigt eine große dunkle Gewitterwolke über dem Meer.

Am Montag kam noch eine Inversionslage hinzu. Von Inversion sprechen Meteorologen, wenn die Luft am Boden kühler ist als in den oberen Luftschichten. Das verändert den Luftdruck. Böen und der veränderte Luftdruck wirken sich auf Meereswellen aus. So kam es zu dem kleinen Tsunami.

Zu einem Meteo-Tsunami komme es häufiger im Frühling, wenn das Nordseewasser noch kalt sei, erklärt der Meeresbiologe. So kam es zuletzt 2004 und 2006 zu einem solchen Ereignis. 2004 war mit Lemmer eine Stadt am Ijsselmeer betroffen. Auch im Mittelmeer, etwa in Spanien, kennt man dieses Phänomen. Dort nennt man sowas "Rissaga". Heute hat sich das Wetter in Katwijk und Zandvoort wieder beruhigt, wie die Live-Bilder von Webcams am Strand von Zandvoort und aus Katwijk zeigen.

(heif)