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MH370 - Malaysia Airlines: Zweifel an Pilot Zaharie Ahmad Shah

Malaysia Airlines MH370 : "Democracy is dead" - T-Shirt weckt Zweifel am Piloten

Die Suche geht weiter und die Behörden rätseln, was mit der verschwundenen Boeing 777 seit über einer Woche passiert ist. Noch immer fehlt von Flug MH370 der Malaysia Airlines jede Spur. Nach und nach sickern neue Details durch. Für Aufsehen sorgt ein T-Shirt des Piloten.

Bei der Suche nach der verschollenen malaysischen Passagiermaschine haben sich die Ermittlungen am Montag zunehmend auf die beiden Piloten konzentriert. Am Vortag hatte der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein erklärt, dass die letzten Worte aus dem Cockpit gesprochen wurden, nachdem das Kommunikationssystem ACARS manuell abgeschaltet worden war. Der Gruß "In Ordnung, gute Nacht" ("Alright, good night") klingt ruhig.

Der letzte Funkspruch stammt nach neuesten Angaben wahrscheinlich nicht vom Piloten, sondern vom Ko-Piloten Fariq Abdul Hamid. Das berichtete Airline-Chef Ahmad Jauhari Yahya am Montag. Mit Sicherheit könnten die Experten aber bislang nicht sagen, wer ins Bordmikrofon sprach. Der Spruch ging um 01.19 Uhr Ortszeit, rund 40 Minuten nach dem Start, an die malaysische Bodenkontrolle. Die Kontrolleure hatten den Piloten kurz zuvor mitgeteilt, dass sie in Kürze vietnamesischen Luftraum erreichen würden.

Piloten im Visier

Das letzte Signal des Kommunikationssystems ACARS an Bord war um 01.07 Uhr abgesetzt worden. Es hätte eine halbe Stunde später das nächste Signal senden müssen, wurde den Ermittlungen zufolge aber zwischenzeitlich vorsätzlich abgestellt. 14 Minuten nach ACARS wurde auch der Transponder ausgeschaltet, der automatisch Daten an die Flugkontrolle überträgt. Anschließend verschwand die Maschine mit 239 Menschen an Bord von den zivilen Radarschirmen.

Auch die US-Geheimdienste haben offensichtlich die beiden Piloten im Visier. Das bestätigte der Vorsitzende des Heimatschutz-Ausschusses im US-Repräsentantenhaus, Michael McCaul, am Sonntag (Ortszeit) im Fernsehsender Fox News. Nach allem, was er von ranghohen Vertretern der Geheimdienste und Anti-Terror-Experten wisse, "war irgendetwas mit dem Piloten", sagte McCaul. "Ich denke, all' das führt ins Cockpit, zu dem Piloten und dem Ko-Piloten."

Pilot war Hobby-Handwerker

Am Samstag hatten malaysische Ermittler die Wohnungen des Flugkapitäns Zaharie Ahmad Shah und des Ko-Piloten Fariq Abdul Hamid durchsucht, zugleich aber vor "voreiligen Schlüssen" gewarnt.

Über den Flugkommandanten Zaharie ist inzwischen bekannt, dass er Mitglied der Oppositionspartei des Politikers Anwar Ibrahim ist. Dieser war am Vortag des Flugs MH370 wegen des Vorwurfs der Homosexualität zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Ein Parteifreund Zaharies, der Parlamentarier Sivarasa Rasiah, sowie dessen Assistent wiesen jedoch Medienberichte entschieden zurück, wonach der Pilot nach dem Urteil außer sich gewesen sei. Zaharie habe Anwar auch nicht persönlich gekannt, sagte Sivarasa. Für Aufsehen sorgte am Sonntag ein Foto, das die britische "Daily Mirror" zeigte, auf dem Zaharie ein T-Sbhirt mit dem Aufschrift trägt "Democracy is dead".

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Zaharie, in dessen Haus ein selbstgebauter Flugsimulator gefunden worden war, ist offensichtlich ein begeisterter Hobby-Handwerker. Auf seinem Youtube-Kanal sind Videos zu sehen, in denen er etwa fröhlich erklärt, wie eine Klimaanlage repariert wird.

Der 27-jährige Ko-Pilot Fariq wird von Bekannten und Freunden als ruhig und gut erzogen beschrieben. Der Sohn eines ranghohen Beamten soll mit einer anderen Pilotin verlobt sein, die er vor Jahren in der Flugschule kennenlernte. Fariq besuchte regelmäßig die Moschee in seinem Viertel und nahm ab und zu an Islam-Unterricht teil, wie der dortige Imam Ahamd Sharafi Ali Asrah sagte. Er nannte ihn einen "guten Jungen".

Australien schickt zwei Flugzeuge

An der Suche nach dem verschwundenen Flugzeug beteiligen sich inzwischen 26 Länder, teilte Hishammuddin Hussein am Montag in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur mit. Regierungschef Najib Razak habe persönlich mit seinen Amtskollegen in China und Australien gesprochen, und sämtliche Länder entlang der beiden möglichen Flugrouten seien ebenfalls kontaktiert worden. "Die Suche in diesen Korridoren hat bereits begonnen", sagte der Minister.

Australien übernimmt für einen großen Teil des Indischen Ozeans die Suche nach der vermissten Passagiermaschine. Der Abschnitt ist eine von zwei Gegenden, in die das verschollene Flugzeug geflogen sein könnte, nachdem der Radarkontakt nahe Malaysia abgebrochen war. Australien hat bereits zwei Flugzeuge für die Suche nach der Malaysia-Airlines-Maschine entsandt. Eines davon suchte die Gegend nördlich und westlich der abgelegenen Kokosinseln ab.

Auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa hilft bei der Suche. Nasa-Chef Charles Bolden habe angeordnet, dass alle Möglichkeiten der Nasa, zur Suche beizutragen, geprüft werden sollten, sagte ein Sprecher der Behörde. Daraufhin würden derzeit unter anderem Bilder ausgewertet, die von Satelliten und der Internationalen Raumstation ISS aufgenommen wurden. Objekte, die größer sind als 30 Meter, könnten darauf identifiziert werden. Alle relevanten Ergebnisse der Auswertungen werde die Nasa weitergeben, sagte der Sprecher.

Air-France-Ermittler mit dabei

Ein weiterer Experte aus China sei zum Ermittlerteam gestoßen, ebenso drei Experten aus Frankreich, die den Absturz einer Air France-Maschine über dem Atlantik 2009 untersucht hatten, sagte Hussein weiter. Er wehrte sich erneut gegen Kritik, Malaysias Krisenstab informiere zu wenig oder nicht rechtzeitig genug über die Ermittlungen. Es wäre unverantwortlich, Informationen zu verbreiten, die nicht überprüft seien, sagte er.

Das vermisste Flugzeug der Malaysian Airlines war vor gut einer Woche auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking von den Radarschirmen verschwunden, ohne dass zuvor ein Notruf abgesetzt wurde. Eine Flugzeugentführung oder Sabotage im Cockpit erscheint inzwischen immer wahrscheinlicher. Eine Entführung ist der malaysischen Regierung zufolge jedoch weder auszuschließen noch erwiesen.

Die Behörden gehen nach Auswertung von Radar- und Satellitendaten davon aus, dass das Flugzeug von seinem planmäßigen Kurs über das Südchinesische Meer abwich, über die malaysische Halbinsel flog und weiter in nordwestlicher Richtung auf die Andamanensee zusteuerte. Die malaysische Regierung beschrieb zwei mögliche Flugkorridore des verschollenen Passagierjets, die sich von Kasachstan bis zum südlichen Indischen Ozean erstrecken.

(dpa/AP/afp)