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Mexikanische Polizei fasst flüchtigen Bürgermeister von Iguala

Mann soll hinter Verschwinden von Studenten stecken : Polizei fasst flüchtigen Bürgermeister von Iguala

Kommt jetzt Licht ins Dunkel? Nach dem weiterhin ungeklärten Verschwinden dutzender Studenten in Mexiko hat die Polizei den untergetauchten Ex-Bürgermeister der Stadt Iguala festgenommen.

José Luis Abarca, der als Drahtzieher des Verbrechens gilt, und seine Frau würden der Bundesstaatsanwaltschaft vorgeführt, sagte ein Sprecher der Nationalen Sicherheitskommission (CNS) am Dienstag. Abarca und seine Frau María de los Ángeles Pineda waren in dem Fall die meistgesuchten Verdächtigen.

Die Festnahme des Paars in Mexiko-Stadt sei ohne Gewaltanwendung erfolgt, sagte der Sprecher. Bislang wurden mehr als 50 Verdächtige festgenommen, darunter etwa 40 Polizisten. Vier Festgenommene gaben laut Generalstaatsanwaltschaft Ende Oktober zu, an der "Entführung und dem Schicksal dieser Gruppe beteiligt" gewesen zu sein. Demnach waren zwei Mitglieder der Drogenbande Guerreros Unidos direkt für die Verschleppung verantwortlich, die beiden anderen sollen als Wachen für das Kartell fungiert haben.

Die Studentengruppe war Ende September bei der Rückkehr von einer Spendensammelaktion in Iguala von Polizisten und Mitgliedern der Guerreros Unidos angegriffen worden. Die Behörden vermuten, dass Abarca das Vorgehen gegen die Studenten anordnete, um zu verhindern, dass sie am nächsten Tag eine Rede seiner Frau mit Protesten stören. Das Bürgermeisterpaar, das zwei Tage nach der Polizeiattacke vom 26. September untertauchte, soll Verbindungen zur Drogenmafia unterhalten.

In Mexiko, wo die Gewalt der Drogenbanden seit Jahren zunimmt, hat der Fall eine Welle der Empörung und teils gewaltsame Proteste ausgelöst. Am vergangenen Donnerstag trat Guerreros Gouverneur Ángel Aguirre zurück. Präsident Enrique Peña Nieto sieht sich mit dem Druck internationaler Organisationen wie der UNO konfrontiert, Licht in den Fall zu bringen. Die Angehörigen der vermissten Studenten brachten bei einem Treffen mit Peña Nieto in der vergangenen Woche ihren Ärger über die schleppenden Ermittlungen zum Ausdruck.

Unterdessen wurden ein im Kampf gegen Drogengewalt engagierter General und seine Ehefrau im Norden Mexikos von unbekannten Tätern in ihrem Auto erschossen. Am Tatort im Bundesstaat Nuevo León, der seit Jahren unter massiver Drogenkriminalität leidet, fanden Ermittler mehr als hundert Patronenhülsen. Die Leichen von General Ricardo César Niño Villarreal und seiner Frau wurden am Sonntag gefunden, aber erst jetzt identifiziert, wie die Behörden am Montag mitteilten. Das Attentat wurde bereits am Samstag auf einer Straße zwischen den Städten Monterrey und Nuevo Laredo verübt.

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Der ermordete General war im Mai von der Zentralregierung als einer von vier Militärvertretern in den Bundesstaat Tamaulipas entsandt worden, um dort die grassierende Gewalt einzudämmen. Im Zuständigkeitsgebiet von Niño Villarreal lag auch Nuevo Laredo, das an den US-Bundesstaat Texas grenzt und Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Drogenkartellen ist.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der General - anders als sonst - nicht in einem gepanzerten Auto mit Leibwächtern unterwegs, sondern unbewaffnet in einem Privatwagen. Ein Attentat am 9. Oktober hatte er noch überlebt.

Die mexikanische Regierung geht seit 2006 mit Militärgewalt gegen die mächtigen Kartelle vor, die äußerst brutal um die Vorherrschaft im Drogenmilieu kämpfen. Seitdem wurden etwa 80.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Drogenhandel getötet.

(AFP)