Nach Messerangriff von Annecy Frankreich feiert „Held mit dem Rucksack“

Le Pecq · Ein Mann hatte mit einem Messer auf einem Spielplatz in Frankreich auf vier Kinder und zwei Erwachsene eingestochen. Das Land ist schockiert, feiert aber einen jungen Mann, der durch sein Eingreifen Schlimmeres verhindern konnte.

 Der französische Präsident Emmanuel Macron trifft Henri (zweiter von rechts,) den 24-jährigen "Rucksack-Helden".

Der französische Präsident Emmanuel Macron trifft Henri (zweiter von rechts,) den 24-jährigen "Rucksack-Helden".

Foto: AP/Denis Balibouse

Nach dem Messerangriff auf vier Kleinkinder in Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron einem 24-Jährigen gedankt, der sich dem Angreifer entgegenstellte. Als der Mann mit dem Vornamen Henri selbst von dem Täter angegriffen wurde, ergriff er nicht die Flucht, sondern nutzte seinen schweren Rucksack, um die Attacke abzuwehren und den Angreifer zu verfolgen. Französische Medien bezeichneten Henri am Freitag als „Helden mit einem Rucksack“.

In einem Video war zu sehen, wie Henri mit dem Täter ringt und während des Messerangriffs auf ihn losgeht. Bei dem Angriff in der Stadt Annecy vom Donnerstag wurden die vier Kleinkinder im Alter zwischen 22 Monaten und drei Jahren schwer verletzt. Zwei Erwachsene trugen ebenfalls Stichverletzungen davon, einer von ihnen schwebte vorübergehend in Lebensgefahr. Macron traf am Freitag Opfer und ihre Angehörigen, außerdem dankte er medizinischem Personal, Polizisten, Feuerwehrleuten und Ersthelfern. Sie hätten Traumatisierendes erlebt, sagte Macron. „Ich bin sehr stolz auf Sie.“

Henri trug einen schweren Rucksack auf dem Rücken und hielt einen weiteren in der Hand, als der Angreifer auf ihn einstach. Er verfolgte den Mann auf einem Spielplatz, wo der Täter wiederholt auf ein Kind in einem Kinderwagen einstach, und über einen Park hinaus. Dabei schien er einen der Rucksäcke auf den Angreifer zu schleudern, ihn anschließend wieder aufzuheben und dann erneut auszuholen.

Henris Vater François sagte, er glaube, die hartnäckige Verfolgungsjagd durch seinen Sohn habe den Täter daran gehindert, auf weitere Opfer einzustechen, bevor dieser von der Polizei niedergerungen wurde. „Er ist viele Risiken eingegangen, obwohl er nicht bewaffnet war, lediglich mit seinen Rucksäcken“, sagte der Vater der Nachrichtenagentur AP. „Wirklich sehr mutig.“ François bat darum, dass der Familienname nicht veröffentlicht werde.

Henri selbst, der sich als katholischer Pilger zufällig in Annecy aufhielt, sagte bescheiden, er habe versucht, so zu handeln, wie es alle Franzosen und Französinnen tun sollten oder tun würden. Er habe in dem Moment seinen Verstand ausgeschaltet und einfach reagieren müssen. Zudem sei er bei weitem nicht der Einzige gewesen, der reagiert habe. Viele andere Menschen hätten auch versucht, den Täter abzudrängen, andere hätten sich um die Verletzten gekümmert.

Das portugiesische Außenministerium erklärte, unter den beiden verletzten Erwachsenen sei ein Portugiese, der versucht habe, den Angreifer an der Flucht zu hindern. Er sei inzwischen außer Lebensgefahr.

Macron äußerte sich mit Blick auf die Genesung der Opfer nach Gesprächen mit Ärzten zuversichtlich. Der Zustand der beiden am schwersten verletzten Kinder sei stabil, ein britisches Mädchen sei wach und schaue Fernsehen, einem verletzten niederländischen Mädchen gehe es ebenfalls besser. Laut Ärzten seien die Kinder durch das schnelle kollektive Eingreifen gerettet worden.

Das Motiv des 31-jährigen syrischen Täters war nach wie vor unklar. Er hatte am Donnerstag auf einem Spielplatz auf die Kinder eingestochen. Der Verdächtige werde psychologisch begutachtet, sagte Véran. Der Syrer hatte schon seit zehn Jahren Flüchtlingsstatus in Schweden, ein Antrag auf Asyl in Frankreich wurde deshalb kürzlich abgelehnt.

Die ermittelnde Staatsanwältin Line Bonnet-Mathis sagte, man gehe nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. Bewaffnet war der Mann mit einem Klappmesser.

(mzu/AFP)
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