Malta: Entführung von Frachtschiff durch Migranten - Marine stürmt Tanker

Im Mittelmeer : Maltesische Marine stürmt von Migranten entführtes Frachtschiff

Rund 120 Migranten sollen ein Schiff unter ihre Gewalt gebracht haben, das sie im Mittelmeer gerettet hat. Nun hat die maltesische Marine das Schiff wieder unter Kontrolle. Innenminister Salvini äußert sich sarkastisch.

Die maltesische Marine hat im Mittelmeer die Kontrolle über ein von Migranten entführtes Tankschiff übernommen. „Der Tanker, seine Besatzung und alle Migranten werden gerade von der Marine eskortiert", teilte die Marine am Donnerstagmorgen mit. Das Schiff hatte am Dienstagabend Schiffbrüchige in internationalen Gewässern vor Libyen aufgenommen und war von ihnen in Richtung Europa umgeleitet worden.

Der italienische Innenminister Matteo Salvini sagte, die Crew des türkischen Schiffs „El Hiblu 1“ habe am Mittwoch Migranten im Mittelmeer gerettet. Rund 120 Migranten hätten sich an Bord befunden. „Arme Schiffbrüchige, die ein Handelsschiff kapern, das sie gerettet hat, weil sie die Route der Fahrt festlegen wollen“, sagte Salvini sarkastisch, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldete. Aus maltesischen Militärkreisen verlautete gegenüber maltesischen Medien, das Schiff habe 108 Migranten an Bord gehabt. Wie es der Schiffsbesatzung ging, war zunächst unklar.

Malta und Italien hatte angekündigt, das entführte Schiff nicht in ihre Hoheitsgewässer zu lassen. Salvini sagte, die Wetterverhältnisse seien nicht gut gewesen. Es sei noch nicht erkennbar, ob das Schiff in Richtung Malta oder zur italienischen Insel Lampedusa gesteuert werde.

Der Rettungsschiffbetreiber Mediterranea Saving Humans rief zu Mitgefühl für die Gruppe an Bord des entführten Schiffs auf. Man hoffe, dass europäische Länder „im Namen der Grundrechte“ agieren würden, „daran denkend, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die vor der Hölle fliehen“.

EU-Mitgliedsstaaten alarmierten die libysche Küstenwache, wenn die Migranten und Flüchtlinge bemerken, die versuchen auf dem Seeweg nach Italien oder andere europäische Orte im Mittelmeer zu gelangen, und bringen sie nach Libyen, berichtet Matteo de Bellis, Migrationsforscher für die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Dort sind sie demnach Folter, Vergewaltigung, Mord und Ausbeutung ausgesetzt.

(cpas/dpa/AFP)
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