1. Panorama
  2. Ausland

Mafia in Süditalien: Prozess gegen 350 'Ndgrangheta-Mitglieder beginnt

350 mutmaßliche Mitglieder der ’Ndrangheta angeklagt : Mega-Prozess gegen Mafia in Süditalien beginnt

Die Mafia-Organisation ’Ndrangheta gehört zu den mächtigsten in Europa. Nach langer Justizarbeit kann jetzt der Prozess gegen Hunderte der mutmaßlichen Mafiosi gestartet werden. Dafür wurde extra ein Gebäude hergerichtet.

Die Justiz will Stärke gegen die Organisierte Kriminalität zeigen. Dieses Signal weisen zumindest Experten dem Prozess zu, der am Mittwoch, 13. Januar, in der süditalienischen Stadt Lamezia Terme beginnt. Auf der Anklagebank: Rund 350 mutmaßliche Mitglieder und Helfer der Organisation ’Ndrangheta. Das Verfahren ist einer der größten Mafia-Prozesse der vergangenen Jahrzehnte. Erwartet wird, dass es ein bis zwei Jahre dauert.

Für die Verhandlungen in der Stadt in Kalabrien wurde extra ein Gebäude hergerichtet. Ende 2020 stellte der italienischen Justizminister Alfonso Bonafede dieses der Öffentlichkeit vor. Bonafede betonte, dass darin rund 1000 Beteiligte auch mit nötigem Corona-Abstand Platz finden könnten.

Den Beschuldigten werden Mafia-Zugehörigkeit, Mord, illegaler Waffenbesitz, Drogenhandel, Erpressung, Geldwucher und vieles mehr vorgeworfen. Vielen drohen bei einer Verurteilung hohe Haftstrafen.

Erwartet werden etwa 900 Zeugen, darunter ehemalige Mafiosi, die bereit sind, die Omertà – das „Gesetz des Schweigens“ der Mitglieder krimineller Organisationen – zu brechen. Etwa 90 weitere Angeklagte hatten sich nach Medienberichten für ein Schnellverfahren entschieden. Für sie soll es am 27. Januar vor Gericht losgehen.

Zur Vorgeschichte: Im Dezember 2019, hatten rund 2500 Polizisten bei einer der größten Operationen gegen die Mafia seit den 1980er Jahren mehr als 300 Menschen festgenommen. Darunter waren Unternehmer, Juristen und Politiker. Auch in Deutschland, der Schweiz und Bulgarien wurde ermittelt.

Der jetzt startende Prozess ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit der Justiz. Der prominente Mafia-Jäger und leitende Staatsanwalt von Catanzaro, Nicola Gratteri, führt die Ermittlungen. Er wurde wiederholt bedroht und erhielt Personenschutz. Für den Prozess konzentrierten sich die Fahnder auf den Clan der Familie Mancuso aus der Provinz Vibo Valentia in der Stiefelspitze und befreundete kriminelle Gruppen. Doch Mafia-Experten erwarten, dass das Verfahren darüber hinaus verstärkt ans Licht bringt, wie eng die Beziehungen zwischen Teilen von Politik und Wirtschaft mit der ’Ndrangheta sein können.

Immerhin gilt die ’Ndrangheta als die brutalste und mächtigste Mafia-Organisation in Italien. Sie hat ihren Ursprung in der Region Kalabrien mit der Hauptstadt Catanzaro. Aus ihrer Heimat steuert sie weltweit große Teile des Kokainhandels. Die jährlichen Einnahmen durch die kriminellen Geschäfte werden auf viele Milliarden Euro geschätzt. Einer 2014 veröffentlichten Studie zufolge lag der Umsatz 2013 bei 53 Milliarden Euro.

Der Maxi-Prozess ist kein Novum. In den 80er Jahren hatte ein ähnliches Verfahren gegen die sizilianische Cosa Nostra in Palermo weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Damals waren mehr als 400 mutmaßliche Mitglieder angeklagt, ein Großteil wurde verurteilt. Auch als Rache brachte die Mafia später die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino um.

(dpa/capf)