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Lüttich: Terrorhintergrund bei tödlichen Schüssen in Belgien vermutet

Vier Tote in Lüttich : Terrorhintergrund bei tödlichen Schüssen in Belgien vermutet

Lüttich: Drei Menschen bei Geiselnahme in Belgien getötet

Bei den tödlichen Schüssen in der belgischen Stadt Lüttich gehen die Ermittlungsbehörden von einem terroristischen Hintergrund aus.

Belgien ist am Dienstag erneut von einem brutalen Angriff auf Polizeibeamte erschüttert worden. Ein Mann griff am Vormittag in Lüttich zwei Polizistinnen mit einem Messer an, entwendete deren Dienstwaffen und erschoss sie sowie einen jungen Mann, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Danach nahm der Angreifer eine Geisel, bevor er von Spezialeinheiten getötet wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des „Verdachts auf eine terroristische Straftat“.

Die Gewalttat ereignete sich gegen 10.30 Uhr im Zentrum der nahe der Grenze zu Deutschland gelegenen Stadt. Staatsanwalt Philippe Dulieu zufolge griff der Mann die städtischen Polizeibeamtinnen hinterrücks mit einem Messer an, verletzte sie und tötete sie mit ihren eigenen Dienstwaffen. „Dann eröffnete er das Feuer auf ein geparktes Auto und tötete einen 22-jährigen Mann auf dem Beifahrersitz“, sagte Dulieu.

Geisel wurde nicht verletzt

Der Angreifer flüchtete in eine Schule, wo er eine Angestellte kurzzeitig als Geisel nahm. Als eine Spezialeinheit der Polizei anrückte, „verließ er das Gebäude eröffnete das Feuer auf die Beamten und verletzte einige von ihnen, bevor er erschossen wurde“, sagte Dulieu. Die Geisel wurde nicht verletzt.

Der Ort des Geschehens in der Lütticher Innenstadt wurde weiträumig abgesperrt. Die Schüler seien von den Ereignissen nicht direkt betroffen gewesen und umgehend evakuiert worden, sagte die Mutter eines siebenjährigen Kindes der Nachrichtenagentur AFP. Die Schule bleibt Mittwoch geschlossen.

Das Motiv des Angreifers war zunächst unklar. Ein von AFP kontaktierter Sprecher der Staatsanwaltschaft Lüttich konnte Presseberichte nicht bestätigen, denen zufolge er während des Angriffs „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) gerufen haben soll. Ein anderer Sprecher sagte, es gebe „Elemente, die in die Richtung einer terroristischen Straftat gehen“.

Angreifer galt als gewaltbereit

Nach Informationen des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders RTBF soll der Angreifer erst tags zuvor aus der Haft entlassen worden sein. Benjamin H., geboren 1982, sei der Polizei als kriminell und gewaltbereit, jedoch nicht als „radikalisiert“ bekannt gewesen, berichtete der Sender. Nach mehreren Gefängnisstrafen soll er zur Vorbereitung auf seine Resozialisierung entlassen worden sein. Die belgischen Behörden wollten die Identität des mutmaßlichen Angreifers mit Verweis auf die Ermittlungen in der Nacht jedoch nicht bestätigen. Die drei Todesopfer sind aber inzwischen identifiziert. Eine 53 Jahre alte getötete Polizistin hinterlasse Zwillingstöchter, sagte Polizeichef Christian Beaupère. Sie hätten bereits ihren ebenfalls als Polizist tätigen Vater verloren.

Der belgische Premierminister Charles Michel bezeichnete den Angriff als „feige und blinde Gewalt“. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser abscheulichen Tat in Lüttich“, erklärte der belgische Innenminister, Jan Jambon, im Kurzbotschaftendienst Twitter. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte die „schreckliche Attacke“ von Lüttich. Er sicherte den Belgiern die Solidarität der Franzosen zu.

Angriffe seit 2016

Seit 2016 ist Belgien Schauplatz mehrerer Angriffe auf Militär- oder Polizeibeamte geworden. Der letzte als „terroristisch“ eingestufte Anschlag ereignete sich am 25. August 2017, als ein 30-jähriger Mann Soldaten im Zentrum von Brüssel mit einem Messer angriff.

Am 22. Januar hatte Belgien nach drei Jahren die Terrorwarnstufe gesenkt. Der belgische Antiterror-Stab Ocam beschloss am Dienstag, die Alarmstufe zwei beizubehalten, was einer „unwahrscheinlichen“ Bedrohung entspricht.

(juju/eler/mro/AFP/REU/AP)