Kreuzfahrtschiff rammt Touristenboot in Venedig

Neue Debatte über Großschiffe in Lagunenstadt : Kreuzfahrtschiff rammt Touristenboot in Venedig

Kreuzfahrtschiff rammt Touristenboot in Venedig

Es hätte schlimm ausgehen können - sowohl für Touristen als auch für die Welterbe-Stadt Venedig. Ein riesiges Kreuzfahrtschiff rammt scheinbar unkontrolliert eine Anlegestelle.

Ein außer Kontrolle geratener Kreuzfahrtriese hat beim Anlegen in Venedig ein Ausflugsschiff gerammt. Auf Amateurvideos in den sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie die "MSC Opera" am Sonntag mit dröhnendem Signalhorn langsam auf den Kai des Giudecca-Kanals zufährt, die Mauer entlangschrammt und dabei das dort liegende Touristenschiff wegschiebt. Wie durch ein Wunder wurden nur vier Insassen leicht verletzt.

Das Unglück ereignete sich in der Höhe der Anlegestelle San Basilio-Zaterre. Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs habe einen Motorschaden gemeldet, sagte der Leiter des Schlepperdienstes, der die "MSC Opera" bis zu ihrem Liegeplatz begleiten sollte, italienischen Medien. Nach seinen Angaben blockierte der Antrieb im Schubbefehl und die Geschwindigkeit nahm wieder zu. Die beiden Begleit-Schlepper hätten noch versucht, die Fahrt zu bremsen, doch sei eine ihrer Ketten unter dem Druck gerissen.

Auf den Amateurvideos ist noch zu sehen, wie Touristen an der Uferpromenade vor dem herannahenden Kreuzfahrtschiff fliehen. Bei den Verletzten handelt es sich um vier Touristen aus Australien, Neuseeland und den USA im Alter zwischen 67 und 72 Jahren. Sie zogen sich laut Medienberichten ihre Verletzungen zu, als sie von dem Ausflugsschiff flüchteten.

Das Kreuzfahrtschiff des in der Schweiz registrierten internationalen Unternehmens MSC Cruises ist seit rund 15 Jahren im Betrieb. Es bietet Platz für mehr als 2600 Passagiere. Zuletzt hatte es vor acht Jahren während einer Baltikum-Reise eine schwere Strompanne.

Der Vorfall ließ die Kontroverse um Venedigs Kreuzfahrttourismus wiederaufleben. Bisher dürfen die riesigen Schiffe noch am berühmten Markusplatz vorbei durch den Giudecca-Kanal fahren, der zwischen der Altstadt und der Insel Giudecca liegt. Nach Angaben von Kultur- und Umweltschützern gefährden die Wellen der riesigen Schiffe die Fundamente des Weltkulturerbes und bedrohen das sensible ökologische Gleichgewicht in der Lagune.

"Was in Venedigs Hafen passiert ist, bestätigt nur, was wir schon seit einiger Zeit sagen", erklärte Umweltminister Sergio Costa auf Twitter. "Kreuzfahrtschiffe dürfen nicht durch den Giudecca-Kanal. Seit mehreren Monaten arbeiten wir an ihrer Verlegung - und sind einer Lösung nahe".

Die Hafenbehörden kündigten an, den Kanal rasch wieder freizugeben. "Aber von morgen an müssen wir uns alle so schnell wie möglich bewegen, um das Problem des Kreuzfahrt-Verkehrs zu lösen", erklärte ihr Vertreter Pino Musolino.

Das Kreuzfahrtschiff MSC Opera krachte am Sonntagmorgen in ein Ausflugsboot. Foto: REUTERS/Manuel Silvestri

Die linke Oppositionsabgeordnete Nicola Fratoianni wies unterdessen darauf hin, dass Italien Kreuzfahrtschiffe mit offenen Armen aufnimmt, während es Schiffe von Hilfsorganisationen mit Flüchtlingen an Bord die Einfahrt in seine Häfen verweigert. "Es ist wirklich seltsam, dass ein Land, das Schiffe von seinen Häfen fernzuhalten versucht, die Menschen auf See gerettet haben, gigantischen Stahlmonstern erlaubt, ein Gemetzel in Venedig zu riskieren", erklärte sie.

(felt/mja/dpa)
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