1. Panorama
  2. Ausland

Konflikt um Ost-Jerusalem: Hamas stellt Israel Ultimatum

Konflikt um Ost-Jerusalem : Hamas stellt Israel nach Jerusalem-Zusammenstößen Ultimatum

Die Palästinenserorganisation fordert von Israel, die Polizei vom Tempelberg abzuziehen. Aus Sorge vor neuen Raketenangriffen wurden Luftschutzräume geöffnet und Flugrouten geändert. Außenminister Heiko Maas ruft „alle Seiten“ zu Zurückhaltung auf.

 Nach heftigen Zusammenstößen in Jerusalem hat der militärische Flügel der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas Israel am Montag ein Ultimatum gestellt. Ein Sprecher der Organisation in Gaza forderte, Israel müsse bis 18Uhr Ortszeit (17 Uhr MEZ) alle Polizisten und Siedler vom Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) sowie aus dem Viertel Scheich Dscharrah in Ost-Jerusalem abziehen. Außerdem müssten alle im Rahmen der jüngsten Konfrontationen festgenommenen Palästinenser freigelassen werden. Es handele sich um eine Warnung.

Aus Sorge vor neuen Raketenangriffen aus dem Gazastreifen wurden nach Medienberichten öffentliche Luftschutzräume in der Stadt Aschkelon geöffnet. Außerdem seien die Routen der internationalen Flüge vom Flughafen Ben Gurion weiter in Richtung Norden verlegt worden. Man stelle sich auch auf mögliche Raketenangriffe auf den Großraum Tel Aviv ein, berichtete der Sender Kan.

Der für Montag geplante Marsch durch die Jerusalemer Altstadt anlässlich des israelischen Feiertags „Jerusalem-Tag“ ist wegen der jüngsten Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der Polizei abgesagt worden. „Der Flaggenmarsch ist abgesagt“, teilte die veranstaltende Organisation Am Kalavi mit. Am „Jerusalem-Tag“ wird in Israel traditionell der israelischen Besetzung von Ost-Jerusalem im Sechs-Tage-Krieg 1967 gedacht.

Angesichts der schweren Zusammenstöße hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) Israel und die Palästinenser zur Zurückhaltung aufgefordert. „Alle Seiten“ müssten „in dieser wirklich explosiven Lage deeskalieren“, sagte Maas nach Beratungen der EU-Außenminister in Brüssel. Er begrüßte dabei, dass Israel entschieden habe, „dass der Tempelberg im Zugang beschränkt werden soll“.

Auf dem Tempelberg in Jerusalems Altstadt war es am Montag erneut zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Vor der Al-Aksa-Moschee setzten Polizisten Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschosse gegen Steine werfende Palästinenser ein. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von mehr als 300 Verletzten. Nach Polizei-Angaben wurden fast zwei Dutzend Beamte verletzt.

Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind zornig, weil die Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hatte, um Versammlungen zu verhindern. Zudem drohen einigen palästinensischen Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah Wohnungsräumungen durch israelische Behörden.

Militante Palästinenser aus dem Gazastreifen feuerten zudem zuletzt mehrere Raketen auf die israelische Grenzregion und sandten Brandballons.

(bora/dpa/afp)