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Konflikt um Berg-Karabach - Aserbaidschan meldet weitere Eroberungen

Konflikt um Berg-Karabach : Aserbaidschan meldet weitere Eroberungen

Ungeachtet neuer Verhandlungen für eine Lösung des blutigen Konflikts um Berg-Karabach im Südkaukasus hat Aserbaidschan nach eigener Darstellung weitere Gebiete erobert.

Präsident Ilham Aliyev sprach am Freitag im Kurznachrichtendienst Twitter von neun Dörfern im Süden der Konfliktregion, die seine Armee eingenommen habe und die zuvor unter armenischer Kontrolle gestanden hätten. Berg-Karabach sei ein fruchtbares Land. „Es gibt noch viel zu tun, um die Region wiederherzustellen“, meinte Aliyev.

Kurz zuvor veröffentlichte das armenische Außenministerium ein Foto von neuen Verhandlungen in Genf. Es zeigte den armenischen Außenminister Sohrab Mnazakanjan mit seinem aserbaidschanischen Kollegen Jeyhun Bayramov bei einem Gespräch mit Vertretern der so bezeichneten Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Bislang gab es bereits drei vereinbarte Waffenruhen, die jedoch nicht hielten.

Unterdessen steigt die Zahl der Toten bei den Kämpfen, die Ende September neu aufgeflammt waren. Die Generalstaatsanwaltschaft von Aserbaidschan sprach von 91 getöteten Zivilisten, einen mehr als am Vortag. Zu den Verlusten in den Reihen des Militärs wurden mit Verweis auf das Kriegsrecht keine Angaben gemacht. Berg-Karabach gab zuletzt die Zahl seiner getöteten Soldaten mit 1166 an.

Der Konflikt ist bereits jahrzehntealt. Aserbaidschan hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren die Kontrolle über das Gebiet mit etwa 145 000 Bewohnern verloren. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe. Die Region wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan, das sich in dem Konflikt auf seinen „Bruderstaat“ Türkei stützen kann. Russland ist Schutzmacht Armeniens.

Das armenische Verteidigungsministerium teilte in der Hauptstadt Eriwan mit, Aserbaidschan habe eine neue Offensive im Südosten Berg-Karabachs gestartet. Auch im Norden habe es Versuche gegeben, weiter vorzudringen. Das sei aber unterbunden worden. Zudem teilten die Behörden in Berg-Karabach mit, einen Söldner aus Syrien festgenommen zu haben. Zuletzt hatte Kremlchef Wladimir Putin vor einer Verwicklung von „Terroristen“ in den Krieg gewarnt. Das hatten Aserbaidschan und die Türkei zurückgewiesen.

(june/dpa)