Thronjubiläum: Königin Beatrix und die Magie der Monarchie

Thronjubiläum : Königin Beatrix und die Magie der Monarchie

Düsseldorf (RP). Vor 30 Jahren bestieg Königin Beatrix den Thron. Die Niederlande feiern verhalten, nachdem ein Attentäter am "Königinnentag" vor einem Jahr ein Blutbad angerichtet hatte.

Ihr Lächeln ist Legende. Ein breites Lächeln. Kein gewinnendes, sondern ein professionelles, ein Markenzeichen, das die Verkleidung Hape Kerkelings krönte, als er 1991 als Beatrix in einer Limousine vor Schloss Bellevue in Berlin vorfuhr und vom Wachpersonal, den Bediensteten und der Presse minutenlang für die echte Königin der Niederlande gehalten wurde.

Die echte Königin der Niederlande aber meint es immer ernst, auch wenn sie lächelt. Das weiß ihr Volk, das seine Königin ernst nimmt. Wer in den Niederlanden Beatrix Wilhelmina Armgard von Oranien-Nassau und von Lippe-Biesterfeld nicht verehrt, der respektiert sie doch, sie, die Distanzierte, beinahe Unnahbare, die sich in ihrer Rede zur Thronübernahme vom familiären Stil ihrer Mutter mit den Worten abgrenzte, das Auftreten Königin Julianas sei stets eine "sehr menschliche Übersetzung des Amtes" gewesen.

30 Jahre ist das her. Am 30. April 1980 schwört die damals 42-Jährige ihren Amtseid. Niederländische Monarchen werden seit 1815 nicht gekrönt, sondern im Beisein des Parlaments auf die Verfassung vereidigt. Deshalb sieht man die Königin auch nie mit einer Krone auf dem Haupt: Sie ist Symbol der Nation und Eigentum des Staates. Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Königin: Sie führt die offizielle Anrede "Majestät" wieder ein.

Überhaupt gelangen Formen und Traditionen im Haus Nassau-Oranien wieder zu hoher Bedeutung. Das ist für die unzeremoniellen Niederländer ein gänzlich neuer Stil. Beatrix wirkt dabei keine Sekunde lang altbacken. Die Königin trete auf "wie die Generaldirektorin eines straff geführten Unternehmens", schreibt das "NRC-Handelsblad". Den Hof macht sie zu einem gut laufenden Unternehmen. Mit einem geschätzten Vermögen von über drei Milliarden Dollar zählt Beatrix heute zu den reichsten Frauen der Welt.

Es gelingt ihr, wie die sich keineswegs als Untertanen begreifenden Landsleute bald fasziniert feststellen, die "Magie der Monarchie" wiederzubeleben und zu einer Integrationsfigur für weite Teile der Bevölkerung zu werden.

So baut Beatrix die Stellung der Monarchie aus, die spätestens seit Ende des Zweiten Weltkriegs in der Kaufmannsrepublik fest verwurzelt ist: In der Zeit der deutschen Besatzung war die niederländische Königsfamilie nach Kanada geflohen, wo Beatrix in Otawa zur Schule geht. Am 2. August 1945 kehrt sie in ein gedemütigtes Land zurück, das sich nach Orientierung und Halt sehnt.

Die Monarchin, eine promovierte Staatsrechtlerin, ist nicht nur blitzgescheit. Sie hat auch ein ausgeprägtes Gespür für die Mechanismen der Macht — obwohl sie selbst formell fast gar keine besitzt. Aber jeden Montagmittag, Punkt halb drei, kommt der Ministerpräsident in das Palais Noordeinde in Den Haag. Beim Tee lässt sie sich über anstehende politische Entscheidungen informieren. Beatrix mischt sich ein, legt sich an — etwa mit dem Rechtspopulisten Geert Wilders, indem sie in einer Weihnachtsansprache vor Hetze gegen Muslime warnt.

Ihre große Liebe ist der Diplomat Claus von Amsberg. Sie heiratet ihn 1966 trotz teilweise lautstarker Proteste gegen diese Verbindung mit einem Deutschen. Das Paar schenkt dem Oranierhaus den ersten männlichen Thronfolger seit 116 Jahren. Später avanciert Prinz Claus zum heimlichen Liebling der Nation, die über dessen Depressionen durch perfekt dosierte Öffentlichkeitsarbeit auf dem Laufenden gehalten wird. Geht es um das Ansehen der Königsfamilie, spricht Beatrix auch schon mal ein Machtwort, etwa gegen das Vorhaben des Kronprinzen Willem-Alexander und seiner Maxima, mitten in der Wirtschaftskrise eine Luxusvilla in Afrika zu erwerben.

Heute jährt sich zugleich der Tag, an dem das Lächeln der Königin erstarb: Ein Attentäter raste beim Königinnentag in Appeldoorn mit dem Auto in die Menge und riss sieben Zuschauer in den Tod. Sein Ziel, den offenen Bus der Königsfamilie, verfehlte er knapp. Wellen der Sympathie brandeten Beatrix entgegen. Ans Abdanken denkt die 72-Jährige offenbar nicht. Und wenigstens die Hälfte ihrer Landsleute findet, dass erst 2013 ein gutes Jahr für die Amtsübergabe ist — zum 75. Geburtstag der Königin.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Todesfahrt am Königinnen-Tag

(RP)
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