Jährlich 8,8 Millionen tote Kinder: Kindersterblichkeit laut Unicef gesunken

Jährlich 8,8 Millionen tote Kinder : Kindersterblichkeit laut Unicef gesunken

Köln/New York (RPO). Die Kindersterblichkeit ist nach Angaben von Unicef in den vergangenen Jahren weltweit deutlich gesunken. "Verglichen mit 1990 sterben heute jeden Tag 10.000 Kinder weniger", sagte Unicef-Direktorin Ann M. Veneman am Donnerstag in New York. Doch noch immer erliegen der Studie zufolge jedes Jahr 8,8 Millionen Kinder größtenteils vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten.

Nach den neuesten Daten des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen sank die durchschnittliche Sterblichkeitsrate seit 1990 um 28 Prozent. Starben damals noch 90 Kinder pro tausend Geburten, waren es 2008 noch 65. Die zwei häufigsten Todesursachen bei Kindern in Entwicklungsländern sind der Studie zufolge bis heute Lungenentzündung und Durchfall.

In vielen Fällen komme Mangelernährung als Ursache hinzu. Auch Malaria und HIV/Aids kosteten jedes Jahr viele Kinder das Leben. "Es ist nicht hinnehmbar, dass jedes Jahr Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag sterben", sagte Veneman.

Rund 40 Prozent der Todesfälle entfallen laut Unicef allein auf drei bevölkerungsreiche Länder: Indien, Nigeria und die Demokratische Republik Kongo. "Nur wenn die Kindersterblichkeit in diesen Ländern deutlich gesenkt werden kann, ist es möglich, das Millenniums-Entwicklungsziel zu erreichen", sagte Veneman. Die internationale Gemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015 die Kindersterblichkeit weltweit um zwei Drittel im Vergleich zu 1990 zu verringern.

Problemfall Südafrika

Erstellt wurden die neuen Schätzungen von Experten von Unicef, der Weltgesundheitsorganisation, der Weltbank, des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen und Wissenschaftlern verschiedener Institutionen. Die Daten zeigen fast überall Fortschritte. Doch die regionalen Unterschiede hinsichtlich der Überlebenschancen von Kindern sind nach wie vor gewaltig.

Rund 93 Prozent aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren werden in Afrika und Asien registriert. In einzelnen Ländern wie Südafrika ist die Sterblichkeit sogar seit 1990 angestiegen. Verantwortlich dafür ist unter anderem die verheerende Aids-Epidemie. In Südafrika leben laut Unicef weltweit die meisten HIV-infizierten Frauen.

Aber auch in einigen der am wenigsten entwickelten Länder gebe es Erfolge, betonte das Kinderhilfswerk. So werde es beispielsweise in Malawi voraussichtlich gelingen, die Kindersterblichkeit bis 2015 um zwei Drittel zu senken. Überdurchschnittlich gute Entwicklungen würden auch aus Ländern wie Nepal, Bangladesch, Eritrea, Laos, der Mongolei und Bolivien gemeldet.

Die Fortschritte sind nach Angaben der Experten auf ein Bündel von Maßnahmen zurückzuführen: besserer Impfschutz gegen Krankheiten wie Masern, verstärkter Einsatz imprägnierter Moskitonetze zum Schutz vor Malaria sowie Vitamin-A-Gaben. So schlafen heute in Malawi rund 25 Prozent der Kinder unter fünf Jahren unter einem Moskitonetz im Jahr 2000 waren es erst drei Prozent.

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(AP/felt)
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