Tragischer Unfall in Roermond: Karpfen zieht Rentner unter Wasser

Tragischer Unfall in Roermond : Karpfen zieht Rentner unter Wasser

Ein 58 Jahre alter Mann starb nach einem Unfall beim Angeln in Roermond. Er wurde offenbar von einem Karpfen, der an seiner Rute hing, in einen Weiher gezogen. Schaulustige halfen ihm nicht, sondern wählten nur den Notruf.

Uferteile des Weihers nahe des niederländischen Grenzstädchens Roermond sind immer noch mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Die Polizeiabsperrung zeugt von dem tragischen Unfall am vergangenen Freitag, als ein 58 Jahre alter Angler mit seinem Rollstuhl in das Gewässer gerutscht ist. Der gehbehinderte Rentner konnte nicht mehr rechtzeitig aus dem Wasser gerettet werden. Er starb gestern in einem Krankenhaus an den Folgen von zu langem Sauerstoffmangel.

Die Unfallursache ist noch nicht genau geklärt. Zeugen berichteten der Polizei, dass der Mann einen großen Karpfen am Haken seiner Angelschnur zappeln hatte, bevor er mit seinem Elektro-Rollstuhl in den Weiher fiel. Er versuchte demnach hektisch, den sich wehrenden Fisch an Land zu ziehen und die Leine einzuholen. Doch der Karpfen war offenbar zu stark. So soll der Fisch den Mann an der Angelschnur langsam die leicht abschüssige Böschung hinabgezogen haben, bis er schließlich in den Weiher stürzte. Der 58-Jährige versuchte vergeblich, über Wasser zu bleiben. Es gelang ihm nicht mehr, zurück an Land zu kommen. Als die Rettungskräfte eintrafen, konnten sie ihn nur noch bewusstlos aus dem kalten Wasser bergen und ins Krankenhaus bringen. Zwar konnte er noch reanimiert werden, doch richtig zu Bewusstsein kam er nicht mehr. "Das war ein tragisches Unglück", sagte ein Polizeisprecher. Taucher der Feuerwehr holten den Rollstuhl und persönliche Gegenstände des Mannes aus dem Wasser.

Schaulustige wählten nur den Notruf

Es gab laut Polizei mehrere Schaulustige, die das Unglück miterlebten und zusahen, wie der Mann im Teich lag. Statt dem Rentner aus dem Wasser zu helfen, wählten sie lediglich den Notruf. Einige sollen auch weggerannt sein. Die niederländische Kriminalpolizei ermittelte deswegen anfangs wegen unterlassener Hilfeleistung, stellte diese Ermittlungen gestern aber ein. "Den Zeugen ist keine Straftat vorzuwerfen", sagte der Polizeisprecher. Sie hätten richtig gehandelt, indem sie die Feuerwehr alarmiert haben. "Wären sie ins Wasser gegangen, um ihm zu helfen, hätten sie auch ihr eigenes Leben in Gefahr gebracht." Dennoch ist der Fall für die Polizei noch nicht abgeschlossen. Untersucht wird noch, ob der Rentner tatsächlich nicht von sich aus von der Angelrute loslassen wollte, oder ob die Bremsen am Rollstuhl wegen eines technisches Defekts versagten. "Dafür liegen uns aber noch keine Erkenntnisse vor", sagte der Polizeisprecher.

Die Polizei spricht von einem bisher beispiellosen Unglück. Auch dem Deutschen Anglerverband ist ein ähnlicher Fall nicht bekannt. Ein Sprecher hält es aber für durchaus möglich, dass ein großer Karpfen unter bestimmten Voraussetzungen dazu in der Lage ist, kraftvoller zu sein als ein gebrechlicher Angler. "Die Fische können je nach Größe eine enorme Kraft entwickeln", sagte der Experte. "Für sie geht es dabei schließlich ums Überleben."

Der Karpfen gehört zu den bekanntesten Fischarten. Bereits mittlere Exemplare können laut "Anglerfreunde NRW" eine Länge von bis zu 50 Zentimeter erreichen. Ausgewachsene Karpfen können 1,20 Meter groß werden und mehr als 25 Kilogramm wiegen. Wie groß der Karpfen war, der den Rentner ins Wasser zog, ist nicht bekannt. Er soll von einem Schaulustigen vom Haken abgemacht und mitgenommen worden sein, heißt es.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Roermond - Karpfen zieht Rollstuhlfahrer in den Tod

(RP/pst)