Jerusalem: Jugendliches Racheopfer wurde lebendig verbrannt

Jerusalem : Jugendliches Racheopfer wurde lebendig verbrannt

Der arabische Jugendliche, der mutmaßlich zum Rachemordopfer geworden ist, soll bei lebendigem Leibe verbrannt sein. Das lege ein vorläufiger Autopsiebericht nahe, teilte der palästinensische Generalstaatsanwalt am Samstag mit. Der abschließende Autopsiebericht wurde bisher nicht veröffentlicht.

Der 16-jährige Mohammed Abu Chdeir habe Verbrennungen an 90 Prozent seines Körpers davon getragen. Pathologen hätten in der Lunge des 16-jährigen Mohammed Abu Chder Rauchspuren gefunden, meldete zuvor bereits die Nachrichtenagentur Maan unter Berufung auf den Generalstaatsanwalt.

Dies bedeute, dass das Opfer noch am Leben gewesen sei, als es verbrannt sei. Der Jugendliche habe auch eine Kopfwunde, diese habe aber nicht zum Tod geführt.

Abu Chder war am Mittwoch in einem Viertel von Ost-Jerusalem verschleppt worden. Einige Stunden später wurde seine verbrannte Leiche im Westteil der Stadt gefunden. An der Beerdigung des Jungen am Freitagabend nahmen tausende Menschen teil.

Im Anschluss kam es zu Ausschreitungen in Taibe im Nordosten Israels und in Dschaldschulia und Kalansuwa im Zentrum des Landes. 62 Palästinenser und 13 Polizisten wurden Medienberichten zufolge verletzt und 20 Palästinenser festgenommen.

Die Familie beschuldigt israelische Siedler, den Jugendlichen umgebracht zu haben. Auch viele der Protestierenden gehen davon aus, dass es sich um einen Racheakt handelt. Die Polizei hat den Verdacht bisher nicht bestätigt.

Am Montag waren die Leichen dreier seit Wochen im Westjordanland vermisster israelischer Jugendlicher gefunden worden. Nur Stunden später wurde der 16-jährige Palästinenser Mohammed Abu Chdeir nach Angaben von Augenzeugen entführt, später fand man seine verkohlte Leiche. Er wurde am Freitag beerdigt.

Die grausigen Details der Staatsanwaltschaft dürften die Wut der aufgebrachten Palästinenser weiter anstacheln. Schon jetzt ist die Stimmung explosiv, auch weil die Hoffnungen auf schnelle Ermittlungsergebnisse bislang nicht erfüllt worden sind. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass tatsächlich rechtsextreme Israelis hinter dem Mord stecken, ist mit einer weiteren Eskalation zu rechnen.

Schon in der Nacht zum Samstag wuchs das Ausmaß der Gewalt. Die Straßenschlachten hätten sich am Samstag in die arabischen Städte nördlich von Jerusalem ausgedehnt, sagte eine Sprecherin der Polizei. Die Demonstranten zündeten Reifen an und warfen Steine und Brandbomben. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Tränengas und Blendgranaten. Mehr als 20 Menschen wurden verhaftet.

Die israelische Justizministerin Zipi Livni warnte laut Tagesschau.de vor der explosiven Lage. "Die Mörder des palästinensischen Jungen werden gefasst - ganz egal, vor welchem Hintergrund die Tat geschah. Aber wir befinden uns in einer explosiven Situation. Ich sehe, was in Israels sozialen Netzwerken passiert, ich sehe die Forderungen nach Rache, den Hass, die Hetze zum Mord. Das muss aufhören."

(dpa ap)