Jüdisches Museum Brüssel: Islamist bekennt sich in Video zu Anschlag

Nach Bluttat in Jüdischem Museum in Brüssel : Französischer Islamist trug Bekenner-Video bei sich

Ein französischer Islamist mit Kriegserfahrung in Syrien soll für die Mordtat im Jüdischen Museum von Brüssel verantwortlich sein. Der Mann sei am Freitag in Marseille nach der Einreise nach Frankreich als Tatverdächtiger festgenommen worden, teilten die französischen Behörden am Sonntag mit. Er war bei seiner Ankunft mit einem Fernbus aus Brüssel der Zollkontrolle aufgefallen.

In einem beschlagnahmten Video zu der Tat bekannt sich der Mann zu der Tat. Französische Medien identifizierten den Verdächtigen als den 29-jährigen Mehdi Nemmouche. In seinem Gepäck wurden eine Maschinenpistole des Typs Kalaschnikow sowie ein Revolver gefunden. Solche Waffen hatte auch der Täter in Brüssel benutzt. Die Tag hatte weltweit Entsetzen ausgelöst.

Die Aufnahme des Täters stammt aus einer Videoüberwachungskamera. Foto: afp, JK

Der belgische Generalstaatsanwalt Frederic Van Leeuw sagte am Sonntag vor der Presse in Brüssel, die Maschinenpistole des Typ Kalaschnikow sei bei der Festnahme des Mannes in Marseille in die Flagge der Organisation "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis) eingehüllt gewesen. Die Isis gilt als eine der wichtigsten Dschihadisten-Gruppen, die derzeit in Syrien kämpfen.

Im Zuge der Ermittlungen sollen am Sonntag zwei Menschen aus der Umgebung der Stadt Kortrijk nahe der französischen Grenze verhört worden sein. Van Leeuw betonte jedoch, sie seien nicht festgenommen worden. "Wir wollen prüfen, ob diese Personen etwas damit zu tun haben oder nicht."

Der französische Präsident François Hollande versicherte mit Blick auf französische Dschihadisten, die aus Syrien zurückkehren: "Wir werden sie bekämpfen." Seit dem Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 sollen sich rund 780 Menschen aus Frankreich dem Kampf islamistischer Gruppen in Syrien angeschlossen haben. Aus Belgien sollen es rund 200 Menschen sein.

Der Mörder war am 24. Mai in das Brüsseler Museum eingedrungen und hatte um sich geschossen. Dabei tötete er ein Touristenpaar aus Israel sowie eine Französin. Ein Mitarbeiter des Museums wurde schwer verletzt und schwebt immer noch in Lebensgefahr. Mit einer an seiner Mütze montierten Videokamera hatte der Täter die Bluttat aufgenommen.
Eine solche Kamera sowie eine Mütze, die der des Täters beim Anschlag stark ähnelt, soll Nemmouche bei sich gehabt haben.

Frankreichs Präsident François Hollande kündigte am Sonntag ein entschiedeneres Vorgehen gegen "Dschihadisten" an, die selbsternannten Kämpfer im Einsatz für den Islam. "Wir werden sie bekämpfen, wir werden sie bekämpfen, wir werden sie bekämpfen", versicherte Hollande vor Journalisten in Trévières in der Normandie. "Die ganze Regierung ist mobilisiert, um diese Dschihadisten, wie sie genannt werden, aufzuspüren und zu verhindern, dass sie Schaden anrichten können."

Nemmouche hatte 2013 für islamische Dschihadisten in Syrien gekämpft und war seit seiner Rückkehr vom französischen Geheimdienst überwacht worden. Er soll eine kriminelle Vergangenheit haben. Der Verdächtige muss bis Dienstag, bei weiterbestehender Terrorgefahr bis Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt werden.

Die Festnahme Nemmouches wirft ein Schlaglicht auf die oft beschworene Terrorgefahr durch einheimische Islamisten, die aus Konfliktzonen wie dem Hindukusch oder Syrien nach Europa heimkehren. Alleine aus Frankreich sollen rund 780 Islamisten in militärische Ausbildungslager oder direkt in den "Heiligen Krieg" gezogen sein.

Internationale Schlagzeilen hatte der Fall Mohammed Merah gemacht. Im März 2012 hatte Merah nach Aufenthalten in Syrien und Afghanistan in Toulouse einen französischen Soldaten marokkanischer Herkunft erschossen. Vier Tage später hatte er im benachbarten Montauban zwei weitere Soldaten nordafrikanischer Abstammung getötet. Am 19. März ermordete er dann vor einer jüdischen Schule drei Kinder und einen Religionslehrer. Wie der Mörder von Brüssel filmte Merah seine Taten mit einer Kleinkamera. Er starb am 22. März 2012 im Schusswechsel, als Spezialkräfte der Polizei seine Wohnung stürmten.

(dpa)