Jordanien nimmt Rache für neuestes IS-Video

"Islamischer Staat" : Jordanien nimmt Rache für grausame Hinrichtung

Die Welt erholt sich noch immer von den schrecklichen Bildern des neuesten IS-Terrorvideos - und die Regierung in Amman zeigt Härte: Zwei Terroristen werden gehängt. Das sei die Rache für den Tod des jungen Jordaniers, heißt es.

Nach dem mutmaßlichen Mord an einem jordanischen Piloten durch die Terrormiliz Islamischer Staat hat die Regierung in Amman prompt Vergeltung geübt: Zwei verurteilte Häftlinge wurden am Mittwochmorgen gehängt, wie Regierungssprecher Mohammed al-Momani mitteilte. Dabei handelte es sich demnach um die Al-Kaida-Terroristin Sadschida al-Rischawi und den Terrorverdächtigen Siad al-Karbuli.

Nur Stunden zuvor hatte die IS-Miliz mit einem neuen Tötungsvideo weltweit für Entsetzen gesorgt: Es soll zeigen, wie der 26 Jahre alte jordanische Pilot Muath al-Kasseasbeh bei lebendigem Leib in einem Käfig verbrennt. Amman bestätigte den Tod des jungen Mannes in Syrien und kündigte eine schnelle und tödliche Vergeltung an.

Zunächst hieß es lediglich, dass die zum Tode verurteilte Terroristin al-Rischawi hingerichtet werde. Die 44-jährige Irakerin war wegen ihrer Beteiligung an drei Bombenanschlägen auf Hotels in Amman im Jahr 2005 zum Tode verurteilt worden. Bei den Bluttaten wurden 60 Menschen getötet. Al-Rischawi überlebte damals nur, weil ihr Sprenggürtel nicht explodierte. Sie floh vom Tatort, wurde jedoch rasch gefasst. Ihre Familie unterhält Verbindungen zum irakischen Arm der Al-Kaida, der als Vorläufer der IS-Miliz gilt.

In der Todeszelle saß auch al-Karbuli. Er war 2008 wegen der Planung von Terrorattacken auf im Irak lebende Jordanier verurteilt worden.

In der vergangenen Woche hatte Jordanien zwei Mal mit der IS-Miliz über einen Gefangenenaustausch verhandelt. Für Al-Rischawi sollte neben Al-Kasseasbeh auch der japanische Journalist Kenji Goto freigelassen werden. Doch hätten die Entführer keinerlei Beweise geliefert, dass Al-Kasseasbeh noch am Leben gewesen wäre, berichteten jordanische Unterhändler.

Der 26-Jährige Pilot war im Dezember in Syrien in die Gewalt der Extremisten geraten, als sein jordanischer Kampfjet nahe der De-Facto-Hauptstadt des selbst ernannten IS-Kalifats, Rakka, abstürzte.

Das Video von dessen Ermordung war mit dem Logo des IS-Medienkanals Al-Furkan versehen und erschien am Dienstag - und damit drei Tage nach der mutmaßlichen Enthauptung des japanischen Reporters Goto durch die IS-Miliz. Der Aufnahme zufolge wurde Al-Kasseasbeh offenbar zuvor geschlagen. Er trägt einen orangefarbenen Overall und steht in einem Käfig im Freien. Ein vermummter Extremist zündet eine Brennstofflinie an, die zu dem Käfig führt. Namentlich werden zudem weitere angebliche jordanische Piloten bedroht.

Im jordanischen Fernsehen hieß es, Al-Kasseasbeh sei bereits am 3. Januar getötet worden. Dies wirft die Frage auf, ob Verhandlungen um seine Freilassung in den vergangenen Tagen überhaupt aufrichtig waren.

Der brutale Mord zielt offenbar darauf ab, die jordanische Führung dazu zu bewegen, sich aus dem US-geführten Bündnis im Kampf gegen den IS zurückzuziehen. Das neue Oberhaupt des Landes, König Abdullah II., rief alle Jordanier im Fernsehen zu Geschlossenheit auf. "Es ist eine Pflicht von uns allen, zusammenzustehen und die wahren Werte Jordaniens angesichts dieser Härte zu zeigen." Der Tod von Al-Kasseasbeh löse "Kummer und Wut" aus.

Abdullah befand sich zu dem Zeitpunkt seiner TV-Ansprache am Dienstagabend in Washington, wo er US-Präsident Barack Obama traf. Der sagte zu Reportern, sollte sich das Video als echt erweisen, wäre es "nur ein weiteres Indiz für die Bösartigkeit und Barbarei" des IS. Die Aufnahme werde nur dafür sorgen, dass sich "die Wachsamkeit und Entschlossenheit" der internationalen Koalition verdoppeln werde.

(ap)