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Johnny Depp-Prozess: „The Sun“-Anwältin stellt Schauspieler als frauenfeindlich dar

Prozess gegen „The Sun“ : Anwältin stellt Johnny Depp als frauenfeindlich dar

Auch wegen seiner Drogen- und Alkoholabhängigkeit sei der Schauspieler seiner Ex-Frau Amber Heard gegenüber gewalttätig geworden, sagt eine Anwältin im Schlussplädoyer. Sie vertritt die Zeitung „The Sun“ gegen eine Klage von Depp.

Eine Anwältin der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ hat Hollywood-Star Johnny Depp als frauenfeindlich dargestellt. Seine Drogen- und Alkoholsucht habe dazu beigetragen, dass er während seiner Beziehung mit Ex-Frau Amber Heard gewalttätig geworden sei, sagte Anwältin Sasha Wass am Montag in ihrem Schlussplädoyer. Dabei ging es um Depps Klage gegen die „Sun“ wegen Verleumdung, weil ihm in einem Zeitungsartikel Misshandlung von Heard vorgeworfen worden war.

Depp hat den Verlag der Zeitung und ihren Chefredakteur wegen des Artikels vom April 2018 verklagt, der ihn als „Ehefrauen-Schläger“ hinstellte. Der 57-jährige Depp bestreitet, der 34-jährigen Heard Gewalt angetan zu haben. Die Verteidigung der Zeitung stützt sich auf Vorwürfe von Heard gegen Depp. Der Prozess vor dem High Court in London wird voraussichtlich am Dienstag abgeschlossen. Das Urteil wird aber erst in mehreren Wochen erwartet.

Wass sagte, es gebe „überwältigende Beweise für häusliche Gewalt oder ein Verhalten, bei dem die Ehefrau geschlagen wurde“. Der Schauspieler sei ein „hoffnungsloser Abhängiger, der wiederholt seine Selbstbeherrschung und alle Fähigkeit verloren hat, seine Wut zu zügeln“.

Der 57-Jährige war am Montagmorgen nicht im Gerichtssaal anwesend. Seine Verteidigung wird voraussichtlich am Dienstag ihr Schlussplädoyer halten. Sowohl Depp als auch Heard waren in den drei Wochen, in denen es Zeugenaussagen in dem Prozess gab, im Gerichtssaal. Die Schauspieler sind seit 2017 geschieden.

Wass stellte das erste Beziehungsjahr von Depp und Heard als „idyllisch“ dar. Die Gewalt habe 2013 angefangen, nachdem Depp in seiner Alkohol- und Drogensucht rückfällig geworden sei. Heard warf Depp bei ihrer Zeugenaussage in der vergangenen Woche vor, er habe sich im Rausch zu einer als „Monster“ bezeichnete Persönlichkeit verwandelt. Depp habe sie geschlagen und Flaschen nach ihr geworfen, als wären sie „Granaten“. Sie habe häufig um ihr Leben gefürchtet. Heards Schwester Whitney Henriquez hat ihre Aussagen gestützt.

Depp hat die Vorwürfe als falsch dargestellt. Er warf Heard vor, während ihrer Beziehung die gewalttätige Person gewesen zu sein. Depps frühere Partnerinnen Vanessa Paradis und Winona Ryder haben in schriftlichen Zeugenaussagen versichert, dass der Schauspieler ihnen gegenüber nie gewalttätig gewesen sei. Mehrere aktuelle und frühere Angestellte haben die Schilderungen des Stars bekräftigt. Wass bezeichnete diese Zeugen als voreingenommen, weil sie ihren Lebensunterhalt bei Depp verdient hätten.

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Dieser hat eingeräumt, viele Drogen wie Marihuana und Kokain genommen zu haben. Er bestritt aber, dadurch gewalttätig geworden zu sein.

Wass sagte, Heard habe die Gewalt hingenommen, weil sie ihren Ehemann geliebt und geglaubt habe, sie könne bei seiner Besserung helfen.

(juw/dpa)