Jeffrey Epstein: Fragen und Antworten rund um den Tod des US-Multimillionärs

Prostitution Minderjähriger in den USA : Der Fall Jeffrey Epstein wird immer unheimlicher

Der mutmaßliche Selbstmord des Multimillionärs Jeffrey Epstein hat in den USA für heftige Diskussionen gesorgt. Noch ist unklar, wer mit Epstein alles verbandelt war. Die Vorwürfe sind enorm. Es geht um die Prostitution Minderjähriger.

Nach dem mutmaßlichen Suizid des wegen Sexualverbrechen angeklagten Multimillionärs Jeffrey Epstein hat das US-Justizministerium erste personelle Konsequenzen gezogen: Der Direktor des Hochsicherheitsgefängnisses in New York wurde für die Dauer der Ermittlungen zu Epsteins Todesumständen versetzt, wie das Ministerium am Dienstag mitteilte. Zwei Wärter aus Epsteins Zellentrakt wurden suspendiert. US-Justizminister Bill Barr hatte zuvor über "ernsthafte Unregelmäßigkeiten" bei der Überwachung Epsteins geklagt.

Epstein war am Samstag tot in seiner Gefängniszelle im Metropolitan Correctional Center im New Yorker Stadtteil Manhattan gefunden worden. Nach Angaben des Justizministeriums beging er Suizid. Der 66-Jährige soll jahrelang junge Mädchen und Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Bei einer Verurteilung hätten dem Ex-Investmentbanker, der gute Kontakte zu zahlreichen hochrangigen Politikern und Prominenten hatte, bis zu 45 Jahre Haft gedroht.

Barr, der als Justizminister auch für die US-Bundesgefängnisse zuständig ist, hatte am Montag von "ernsthaften Unregelmäßigkeiten" bei der Überwachung Epsteins gesprochen und eine "gründliche Untersuchung" der Todesumstände zugesagt. Die US-Bundespolizei FBI hat bereits Ermittlungen aufgenommen, auch das Justizministerium leitete eine Untersuchung ein.

US-Medien zufolge war Epstein in der Nacht zum Samstag allein in seiner Zelle gewesen, obwohl eigentlich mindestens ein Zellengenosse vorgeschrieben war. Außerdem hätten die Wärter nicht die Vorgabe erfüllt, alle 30 Minuten nach Epstein zu schauen.

Epstein war bereits am 23. Juli nach einem mutmaßlichen Suizidversuch bewusstlos und mit Spuren am Hals in seiner Zelle gefunden worden. Seine verstärkte Überwachung wegen Suizidgefahr wurde Medienberichten zufolge aber am 29. Juli wieder eingestellt. US-Medien berichteten zudem, die Belegschaft des Gefängnisses habe wegen Personalmangels zuletzt viele Überstunden machen müssen.

Als Konsequenz wies Barr die seinem Ministerium unterstellte Strafvollzugsbehörde an, den Gefängnisdirektor vorübergehend in ein Regionalbüro zu versetzen. Die beiden Wärter wurden vorübergehend vom Dienst suspendiert. Möglicherweise würden auch noch "zusätzliche Maßnahmen" ergriffen, erklärte die Ministeriumssprecherin Kerri Kupec.

Barr hat zugesichert, dass die Ermittlungen zu Epsteins mutmaßlichen Vergehen fortgeführt werden sollen, damit mögliche Komplizen nicht ihrer Strafe entgehen. "Wir werden den Geschehnissen auf den Grund gehen und es wird Rechenschaft geben", sagte Barr. Am Montag durchsuchte das FBI laut Medienberichten Epsteins Privatinsel in der Karibik.

Nach Epsteins Tod ist nun Ghislaine Maxwell, die Tochter des verstorbenen britischen Medienmoguls Robert Maxwell, die Verdächtige Nummer eins. Mehrere Opfer werfen der 57-Jährigen vor, sie habe aktiv junge Mädchen rekrutiert, um Epsteins sexuelles Verlangen zu befriedigen.

Epstein war bereits 2008 wegen der Prostitution junger Frauen zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Ermittlungen kamen neu ins Rollen, als die Zeitung "Miami Herald" Ende 2018 die fragwürdigen Umstände aufdeckte, unter denen damals eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft zu Stande gekommen war.

Im Juli musste dann Arbeitsminister Alex Acosta zurücktreten, weil sich herausstellte, dass er als damals zuständiger Staatsanwalt vor mehr als zehn Jahren die außergerichtliche Einigung mit Epstein mit ausgehandelt hatte, die diesem im Gegenzug für ein Geständnis einen Prozess vor einem Bundesgericht ersparte.

Die Wärter stünden auch unter Verdacht, ihren Arbeitsbericht gefälscht zu haben, um ihr fatales Versäumnis zu verschleiern, berichtete der US-Sender CBS. Laut „New York Times“ machten beide Wärter, ein Mann und eine Frau, in der Zeit im Gefängnis Überstunden wegen Personalknappheit. Beide sind nach Angaben des US-Justizministeriums mittlerweile beurlaubt.

Auch der Direktor der Haftanstalt wurde auf Veranlassung von Minister William Barr versetzt. Dieser hatte „schwere Unregelmäßigkeiten“ in der Haftanstalt beklagt und eine gründliche Untersuchung des Falles versprochen.

Zu den Ungereimtheiten im Umgang mit dem inhaftierten Epstein gehört, dass für den schwerreichen Ex-Investmentbanker nur kurz eine besondere Beobachtung angeordnet wurde - obwohl er offenbar schon im Juli nach der Ablehnung seines Antrags auf Kautionsfreilassung einen Suizidversuch unternommen hatte und Wiederholungsgefahr bestand.

Epstein zeigte sich gern öffentlich mit Politikern und Prominenten. Er hatte unter anderem - zumindest zeitweise - Kontakte zum heutigen Präsidenten Donald Trump, zu Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew aus Großbritannien. US-Medien spekulieren, dass ein Prozess weitere Prominente schwer belastet hätte.

US-Präsident Trump spielte derweil eine Twitter-Nachricht mit einer Verschwörungstheorie herunter, die er weiterverbreitet hatte. Am Samstag hatte er den Beitrag eines Kommentators retweetet, der Bill Clinton in die Nähe von Epsteins Tod rückte. Am Dienstag sagte Trump dazu vor Journalisten, es habe sich um den Tweet eines „hoch angesehenen konservativen Experten“ gehandelt. „Das war nicht von mir, das war von ihm“, fügte er hinzu. Auf die Frage, ob er wirklich glaube, dass das Ehepaar Clinton in den Tod von Epstein involviert sei, sagte Trump: „Ich habe keine Ahnung.“

In Gerichtsdokumenten und Medienberichten tauchen wiederholt mehrere Namen, die in Verbindung mit Epstein gebracht werden, auf:

  • Ghislaine Maxwell

Die Tochter des verstorbenen britischen Medienmoguls Robert Maxwell ist nach Epsteins Tod die Verdächtige Nummer eins. Mehrere Opfer werfen der 57-Jährigen vor, sie habe aktiv junge Mädchen rekrutiert, um Epsteins sexuelles Verlangen zu befriedigen, und sich auch selbst an dem Missbrauch beteiligt.

Die inzwischen 36-jährige Virginia Giuffre gab 2015 in einer Zivilklage gegen Epstein und Maxwell an, die Britin habe sie vor Jahren als "Sexsklavin" für Epstein rekrutiert. Maxwell, die Epstein als seine "beste Freundin" bezeichnete, wies die Vorwürfe zurück.

  • George Mitchell

Der Name des früheren US-Senators taucht in Gerichtsunterlagen auf, die am vergangenen Freitag - also kurz vor Epsteins mutmaßlichem Suizid in seiner New Yorker Gefängniszelle - freigegeben wurden. Der heute 85-Jährige war als Sondergesandter des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton an den Friedensverhandlungen im Nordirland-Konflikt beteiligt, Ex-Präsident Barack Obama ernannte ihn zu seinem Sondergesandten für den Nahen Osten.

Giuffre gibt an, von Epstein und Maxwell gezwungen worden zu sein, mit Mitchell und mit Clintons UN-Botschafter Bill Richardson Sex zu haben. Beide wiesen die Vorwürfe strikt zurück.

  • Leslie Wexner und Jean-Luc Brunel

Der US-Milliardär Wexner, zu dessen Konzern L Brands unter anderem die Dessousmarke Victoria's Secret gehört, wird verdächtigt, der wichtigste finanzielle Unterstützer Epsteins gewesen zu sein. Epstein hatte ab Ende der 80er Jahre als Berater für Wexner gearbeitet.

Laut der "New York Times" hatte der Unternehmer so großes Vertrauen in Epstein, dass er ihm Anfang der 90er Jahre eine Generalvollmacht gab. Er soll ihm auch sein Haus in Manhattan überlassen haben, ohne dass dafür Geld floss. Ein Sprecher des Milliardärs versicherte, Wexner habe seine Verbindungen zu Epstein vor zehn Jahren gekappt.

Der französische Geschäftsmann Brunel ist der Chef der Model-Agentur MC2. Giuffre gibt an, Epstein habe sie auch zum Sex mit Brunel gezwungen. Zwei französische Kabinettsmitglieder setzten sich am Montag dafür ein, Ermittlungen zu Querverbindungen des mutmaßlichen Sexhandels nach Frankreich einzuleiten. Epstein reiste regelmäßig nach Paris, wo er eine Immobilie im wohlsituierten 16. Arrondissement besaß.

  • Prinz Andrew

In Berichten wird der mittlere Sohn der britischen Königin Elizabeth II. häufig als Freund von Epstein genannt. Virginia Giuffre warf Ghislaine Maxwell vor, sie zum Sex mit dem Prinzen gezwungen zu haben. Eine weitere Frau warf Prinz Andrew unanständiges Verhalten vor. Der Buckingham-Palast wies die Vorwürfe mehrfach zurück.

(mja/AFP/dpa)
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