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Tausende Menschen in Tokio: Japaner protestieren kreativ gegen Atomkraft

Tausende Menschen in Tokio : Japaner protestieren kreativ gegen Atomkraft

Tokio (RPO). In der japanischen Hauptstadt Tokio sind am Samstag erneut tausende Menschen gegen die Nutzung der Atomenergie auf die Straße gegangen. In bunten Kostümen, geschminkt und mit Trommeln zogen sie durch die Straßen.

Acht Wochen nach dem starken Erdbeben, das einen schweren Unfall in einem Kraftwerk in Fukushima auslöste, forderten die Demonstranten eine Wende in der Energiepolitik ihres Landes. "Atomkraft ist veraltet", stand auf vielen Plakaten. Bislang war es eher ungewöhnlich, dass die Japaner so öffentlich gegen die Regierung, Missstände oder ähnliches demonstrierten.

Der Inselstaat, der kaum über Rohstoffe verfügt, deckt bisher ein Drittel seines Energiebedarfs mit Atomkraft. Die Regierung will angesichts der schwersten Atomkatastrophe seit Tschernobyl nun zwar ihre Energiepolitik überarbeiten. Allerdings hält sie grundsätzlich an der Kernenergie fest.

Einige Demonstranten begrüßten die Entscheidung von Ministerpräsident Naoto Kan, der am Freitag angeordnet hatte, das 200 Kilometer südlich von Tokio gelegene Akw Hamaoka wegen akuter Erdbebengefahr vorübergehend stillzulegen. "Ich freue mich, dass der Regierungschef endlich handelt", sagte die 28-jährige Manami Inoue.

Sie forderte aber eine vollständige Stilllegung der dortigen Reaktoren. Laut Kan soll die Anlage bis zum Bau einer Seemauer und anderer Maßnahmen zum Schutz vor Erdbeben und Tsunamis geschlossen bleiben. Medienberichten zufolge könnte dies zwei Jahre dauern.

(AFP/top)