McWal: Japan wirbt für Walfleisch-Burger

McWal: Japan wirbt für Walfleisch-Burger

Tokio (rpo). Die japanische Regierung hat sich einen neuen Coup ausgedacht, um der Bevölkerung Walfleisch schmackhaft zu machen: Mit bunten Fähnchen und Walfleisch-Burgern sollen junge Kunden überzeugt werden, der Verweis auf die lange Tradition richtet sich an alle Japaner. Denn die Regierung steckt in einem peinlichen Dilemma: Faktisch sitzt Japan auf einem Walfleischberg. Die vielen getöteten Wale will niemand essen.

Die Lagerhallen sind überfüllt, die Preise in den Keller gerutscht. Die Aussichten im Walgeschäft seien nicht gerade rosig, sagt auch der Händler Kunitada Ito von Tokioter Tsukiji-Fischmarkt. Rund 1.035 Tonnen Walfleisch wurden nach Angaben der Fischereibehörde im vergangenen Jahr auf den japanischen Markt geworfen, 65 Prozent mehr als 1995. Wegen des schleppenden Verkaufs lagerten 2004 in den Kühlhallen 2.704 Tonnen Walfleisch, fast doppelt so viel wie fünf Jahre zuvor. Die Preise gingen im gleichen Zeitraum um fast ein Drittel auf 2.560 Yen (gut 18 Euro) pro Kilogramm zurück.

In ihren Plänen zum weiteren Walfang zeigt sich die Regierung von dieser Entwicklung jedoch unbeeindruckt. Vorgeblich zu Forschungszwecken sollen in diesem Jahr 1.070 Zwergwale erlegt werden, das sind 400 mehr als 2005 und mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Der Fischereibehörde zufolge sollen außerdem zehn Finnwale sowie 160 Bryde- und Pottwale gejagt werden.

Die Internationalen Walfangkommission (IWC) hat kommerziellen Walfang zwar 1986 verboten, im Jahr darauf aber Ausnahmegenehmigungen erlassen: Im Rahmen wissenschaftlicher Forschung darf demnach eine beschränkte Zahl von Tieren getötet werden. Umweltschützer werfen Japan vor, seine Forschungsvorhaben lediglich deshalb zu betreiben, um das IWC-Verbot umgehen zu können. Tokio argumentiert dagegen, nur durch die Waljagd verlässliche Daten über die Bestandsentwicklung der Tiere und ihre Lebensgewohnheiten gewinnen zu können.

Jetzt kämpft die Regierung um weitere Vermarktungsmöglichkeiten für das überschüssige Fleisch und will bei der Bevölkerung öfter Wal auf dem Tisch sehen. "Ist es in Ordnung, Walfleisch zu essen? Natürlich!", heißt es in einem Flugblatt mit dem Titel "Leckerer Wal", das von der regierungsnahen Japanischen Wal-Gesellschaft verteilt wird. Selbst wenn in den kommenden 100 Jahren jährlich 2.000 Wale erlegt würden, sei ihr Bestand nicht gefährdet, heißt es in dem Text.

Aber auch die Japanische Wal-Gesellschaft räumt ein, dass sich das Fleisch schlecht verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt es als günstiger Eiweiß-Lieferant, mit zunehmendem Wohlstand schwenkten die Kunden jedoch auf andere Fleischsorten um. In einigen Präfekturen wird Wal seit vergangenem Jahr daher als Mittagessen in Schulen serviert - in Wakayama entwickelten Ernährungswissenschaftler sogar ein Spaghetti-Bolognese-Gericht mit Walfleisch.

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"Walfleisch schmeckt einfach grässlich"

Die Gewohnheiten der Kunden zu ändern, dürfte aber nicht so einfach sein. Jüngere Leute würden von dem zähen Fleisch mit dem stechenden Geschmack schlichtweg abgeschreckt, ältere würden dadurch an die Armut in den Nachkriegsjahren erinnert, erklärt Kosuke Nakamura. "Auf den Punkt gebracht: Walfleisch schmeckt einfach grässlich", sagt der 30-Jährige.

Neben dem mäßigen Geschmack sind - vor allem bei der jüngeren Bevölkerung - auch Sorgen über das internationale Ansehens Japans für den schleppenden Walfleisch-Verkauf verantwortlich. "Der Walfang ist so schlecht für Japans Image", erklärt Nakamura. "Ich weiß nicht, warum wir immer noch Wale jagen."

In der Restaurantkette Hana No Mai, die das zunehmend billige Fleisch seit November auf ihrer Speisekarte hat, wird daher auch kaum Wal bestellt. Dennoch würden die Gerichte weiterhin angeboten, teilte das Unternehmen optimistisch mit. Auch die Händler auf dem Tsukiji-Markt geben die Hoffnung noch nicht auf. Der Preissturz komme ihm sogar entgegen, weil sich dadurch mehr Menschen das Fleisch leisten könnten, sagt Yoshiaki Kochi. "Die Japaner werden den Geschmack von Wal niemals vergessen. Das ist ein Teil unserer Kultur. Das liegt in unseren Genen."

(ap)
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