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Italien setzt Rettungsschiff "Sea-Watch 3" fest

Italien setzt Rettungsschiff fest : "Sea-Watch 3" darf nicht in See stechen

Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Watch 3" ist von den Behörden im sizilianischen Hafen Augusta wegen technischer Probleme festgesetzt worden. Der Betreiberverein Sea-Watch mit Sitz in Berlin spricht von einer "politisch motivierten" Kontrolle.

Das als Frachtschiff deklarierte und für eine 22-köpfige Besatzung ausgelegte Fahrzeug weise technische Unzulänglichkeiten und Sicherheitsmängel auf, teilte die italienische Küstenwache mit. Bis zu deren Behebung dürfe das Schiff den Hafen nicht verlassen.

Sea-Watch werde "vorgeworfen, zu viele Menschen gerettet zu haben", schrieb die Organisation auf Twitter. Die Alternative sei "363 Menschen ertrinken lassen, weil EU-Behörden keine Anstalten machen, die Rettungslücke im Mittelmeer zu schließen". Das unter deutscher Flagge fahrende Schiff hatte Ende Februar bei mehreren Einsätzen insgesamt 363 Migranten an Bord genommen und nach Sizilien gebracht. Bereits im Juli 2020 verhängten italienische Behörden ein zeitweiliges Fahrverbot für die "Sea-Watch 3" wegen technischer und operativer Mängel.

Bei der erneuten Kontrolle beanstandete die italienische Küstenwache laut ihrer Mitteilung vom Sonntagabend unter anderem unterlassene Informationen an die Hafenbehörde, nicht eingehaltene Sicherheitsvorschriften und Probleme bei der Abfallentsorgung. Zudem verliere das Schiff Hydraulik-Öl und weise Mängel beim Brandschutz auf. Die Behörde betonte, die Inspektion habe im Rahmen umfassender Kontrollen von ausländischen Schiffen stattgefunden und ziele auf die Einhaltung international gültiger Normen zum Schutz der Personen und der Umwelt. Seit 2017 habe die Küstenwache mehr als 5.800 ausländische Handelsschiffe kontrolliert und 268 festgesetzt.

Unterdessen wartet das unter norwegischer Flagge fahrende Schiff "Ocean Viking" mit 116 Migranten auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Fünf Personen seien positiv auf Covid-19 getestet worden und befänden sich in Isolation, teilte der Betreiberverein SOS Mediterranee am Montag mit. An Bord gälten strenge Schutzmaßnahmen; alle Geretteten müssten dringend an Land. Schon Sonntag erklärte die Organisation, das Wetter verschlechtere sich stark und setze vielen der Migranten zu. Zehn Schiffbrüchige sind seit Donnerstag an Bord, 106 weitere wurden am Samstag geborgen. Derzeit befindet sich die "Ocean Viking" östlich von Malta und hält Kurs auf Sizilien.

Derweil hat sich vor Libyen laut der Notruf-Initiative Alarm Phone ein schweres Bootsunglück mit bis zu 60 Toten ereignet. Wie die Organisation mit Sitz in Berlin mitteilte, fand der Vorfall bereits am Donnerstag statt. Demnach geriet ein mit mehr als 100 Migranten besetztes Holzboot durch einen Motorschaden in Brand. Nach Angaben von libyschen Behörden und Überlebenden seien 45 Personen gerettet und 5 Menschen tot geborgen worden. Der libyschen Küstenwache zufolge befand sich das havarierte Boot zuletzt neun Seemeilen nordöstlich der libyschen Stadt Zuwara.

(felt/kna)