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Italien Seilbahn-Unglück: 14 Menschen sterben im Piemont bei Stresa

Trauer in Italien : 14 Menschen sterben bei Absturz einer Seilbahngondel

Im italienischen Piemont ist eine Seilbahn-Kabine abgestürzt. Dabei waren zunächst 13 Menschen getötet worden. Zwei Kinder wurden schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht. Eines der Kinder verstarb am Abend. Laut Auswärtigem Amt sollen keine Deutschen unter den Opfern sein.

Der Zustand der fünf und neun Jahre alten Kinder war kritisch, hieß es noch am Nachmittag. Nach Angaben der Zeitung "Il Corriere della Sera" lag eines der Kinder in lebensgefährlichem Zustand auf der Intensivstation. Das zweite soll ein Schädeltrauma und Beinbrüche erlitten haben, aber bei Bewusstsein gewesen sein. Am Abend meldet die Bergwacht, dass das schwerer verletzte Kind gestorben sei.

Unter den 13 Toten sind nach Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes keine Deutschen. „Derzeit haben wir keine Hinweise, dass sich Deutsche unter den Opfern befinden“, teilte ein Sprecher am Sonntagabend mit. „Wir stehen zu dem tragischen Unfall der Seilbahn Stresa-Mottarone in Kontakt mit den Behörden vor Ort.“

Das Unglück ereignete sich nach Angaben des Infrastrukturministeriums gegen 12.30 Uhr rund hundert Meter vor der Bergstation der Seilbahn. Als Ursache vermutete es einen Kabelriss im obersten Bereich der Strecke. Eine Überlastung der Kabine scheint ausgeschlossen, da sie bis zu 35 Passagiere aufnehmen kann. Minister Enrico Giovannini kündigte die Einsetzung einer Untersuchungskommission an. Die Gondel war auf dem Weg zwischen dem kleinen Ort Stresa am Westufer des beliebten Sees und dem Monte Montarrone, dessen Gipfelkreuz auf 1491 Metern liegt, unterwegs.

Bilder der Feuerwehr und der Polizei zeigten die völlig zerbeulte Kabine an einem steilen Hang in einem Waldstück. Das Gebiet sei schwer zugänglich gewesen, hieß es von den Rettern. Agenturberichten zufolge lag die Absturzstelle unweit der Bergstation. 

„Mit großer Trauer habe ich von dem tragischen Unfall der Stresa-Mottarone-Seilbahn erfahren“, teilte Italiens Ministerpräsident Mario Draghi mit. Er drücke den Familien der Opfer sein Beileid aus. Auch Außenminister Luigi Di Maio und andere aus dem Kabinett Draghi zeigten sich via Twitter bestürzt über das Unglück.

Der Präsident der Region Piemont, Alberto Cirio, machte sich Medienberichten zufolge umgehend auf den Weg in das Unglücksgebiet. Infrastrukturminister Enrico Giovannini wollte am Montag in die Gegend reisen. Die Tragödie versetze einen in Trauer - an einem Sonntag, der eigentlich für die Hoffnung stehen sollte, schrieb EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni auf Twitter. EU-Ratspräsident Charles Michel und er EU-Parlamentspräsident David Sassoli drückten ebenfalls ihre Anteilnahme aus. Liguriens Regionalpräsident Giovanni Toti drückte den Menschen im Piemont seine Anteilnahme aus.

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Der Monte Mottarone gehört zu den beliebten Ausflugszielen am Lago Maggiore. „In zwanzig Minuten vom See zum Berg“, damit wirbt die Seilbahn Funivia Stresa-Alpino-Mottarone auf ihrer Webseite. Das Panorama auf dem Gipfel soll zu einem der schönsten gehören. Im Winter kommen Ski-Sportler in die Gegend. Im Sommer sind viele Wanderer dort unterwegs. Der Nachrichtenagentur Ansa zufolge wurde die Bahn zuletzt zwischen 2014 und 2016 von einer Südtiroler Firma überholt.

Erst seit Samstag dürfen in Italien die Seilbahnen wieder nach Monaten der Schließung wegen der Corona-Pandemie ihren Betrieb aufnehmen. Das hatte die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi kürzlich beschlossen. Italien will schrittweise die Corona-Beschränkungen lockern. Die Touristen-Saison sollen ab Juni beginnen können. Zuletzt wurde auch die nächtliche Ausgangssperre verkürzt und die Außengastronomie geöffnet.

In Europa hat es immer mal wieder schwere Unglücke mit Seilbahnen gegeben. Zuletzt waren im September 2005 neun deutsche Skifahrer im österreichischen Sölden ums Leben gekommen, als ein Lastenhubschrauber einen Betonklotz verloren hatte, der auf eine Seilbahn stürzte.

(felt/hebu/dpa/AFP)