An unbekannten Ort verschleppt: Iranischer Regisseur Panahi festgenommen

An unbekannten Ort verschleppt: Iranischer Regisseur Panahi festgenommen

Teheran (RPO). Der renommierte iranische Filmemacher Dschafar Panahi ist in seinem Haus in Teheran festgenommen worden. In Zivil gekleidete Männer führten den Regisseur, seine Frau, seine Tochter und etwa 15 Gäste am Montagabend ab und brachten ihn an einen unbekannten Ort.

Das teilte sein Sohn Panah Panahi am Dienstag mit. Die iranischen Justizbehörden bestätigten die Festnahme und und begründeten sie mit einer nicht näher genannten Straftat.

Bei der Aktion durchsuchten die Unbekannten auch das Haus des preisgekrönten Regisseurs in der iranischen Hauptstadt, wie sein Sohn auf der oppositionellen Internetseite Rahesabs erklärte. Die Männer beschlagnahmten demnach Computer und persönliche Dinge Panahis, der die iranische Opposition in ihrem Protest gegen die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad offen unterstützt.

Panahi sei nicht festgenommen worden, "weil er ein Künstler ist oder aus politischen Gründen", sagte der Teheraner Staatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi der iranischen Nachrichtenagentur Isna. Er habe eine "Straftat" begangen und sei aufgrund einer richterlichen Anordnung festgenommen worden.

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Der 49-jährige Panahi darf den Iran nicht mehr verlassen, seit er sich im vergangenen Sommer beim Filmfestival von Montréal öffentlich hinter die iranische Opposition gestellt hatte. Im Februar war er auch zur Berlinale eingeladen, durfte aber nicht ausreisen. Im Juli waren Panahi und seine Familie schon einmal kurzzeitig festgenommen worden, nachdem sie an einer Gedenkfeier für die Studentin Neda Agha-Soltan teilgenommen hatten, die bei den Protesten gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl erschossen worden war.

Panahi, der früher Assistent des Regisseurs Abbas Kiarostami war, zählt zu den im Ausland bekanntesten Filmemachern aus dem Iran. Trotz ihres internationalen Erfolgs sind die meisten seiner Filme im Iran der Zensur zum Opfer gefallen. Panahi erhielt unter anderem bei der Berlinale 2006 den Silbernen Bären für sein Werk "Offside". 2000 wurde er beim Filmfestival von Venedig für den Film "Der Kreis" mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, 1995 gewann er die Goldene Kamera in Cannes mit dem Streifen "Der weiße Ballon".

(AP/csr)