In Bulgarien verhafteter Deutscher: Behörden prüfen Auslieferung an die Türkei

In Bulgarien verhafteter Deutscher : Behörden prüfen Auslieferung von Mehmet Y. an die Türkei

Ein 44-jährige Türke, der auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, war in Bulgarien festgenommen worden. Für Mehmet Y. liegt ein Fahndungsaufruf der türkischen Behörden vor - ein Gericht habe ihn wegen angeblicher Tätigkeit in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Ein kurdischstämmiger Deutsche, der am Sonntag auf Bestreben der Türkei in Bulgarien festgenommen wurde, ist am Mittwoch unter Hausarrest gestellt worden. Das Bezirksgericht in Warna habe von der Türkei die für eine Auslieferung erforderlichen Unterlagen angefordert, sagte Gerichtssprecher Radoslaw Lasarow der Nachrichtenagentur AFP. Für die Zeit der Prüfung des Auslieferungsgesuchs bleibe Y. unter Hausarrest.

Der 44-jährige Mehmet Y., der bei der Caritas in Bonn minderjährige Flüchtlinge betreut haben soll, war am Sonntag in Bulgarien verhaftet worden. Bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Warna an der bulgarischen Schwarzmeerküste, wo er mit seiner Frau Urlaub machen wollte, nahm ihn die Polizei aufgrund eines dringlichen Interpol-Gesuchs ("Red Notice") fest, wie seine Frau der "Süddeutschen Zeitung" vom Mittwoch sagte. Für Mehmet Y. liegt ein Fahndungsaufruf der türkischen Behörden vor, der mit einer Verurteilung in der Türkei begründet wurde.Ein Gericht in der türkischen Stadt Adana habe ihn wegen angeblicher Tätigkeit in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Davon seien noch rund drei Jahre und sieben Monate verblieben.

Da Y. auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, droht ihm nun die Auslieferung an die Türkei. Nach Angaben eines Sprechers des Auswärtigen Amtes in Berlin wird der Mann in Bulgarien konsularisch betreut.

Y.s Frau Gülsen sagte der "Süddeutschen Zeitung", ihr Mann sei 2001 nach Deutschland geflohen. Dort habe er Asyl bekommen und sei 2009 eingebürgert worden.

Bundesaußenminister Heiko Maas reiste am Mittwoch zu einem zweitägigen Besuch in die Türkei. Dort wollte er auch die Frage der aus politischen Gründen inhaftierten Deutschen ansprechen. Zum Fall von Mehmet Y. sagte er: "Wir wollen uns bemühen, dass offene Fragen beantwortet werden."

(ubg/AFP/dpa)
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